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Therapie der Herzinsuffizienz
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Erkrankungen des Herzen sind ein häufiges Problem in der Kleintierpraxis.
Häufig bestehen diese zunächst symptomlos und können nur mit
entsprechenden Kenntnissen über die Ursachen und die pathophysiologischen
Abläufe erkannt werden.
Die funktionellen und strukturellen Veränderungen des Herzens und der großen
herznahen Gefäße können angeboren oder erworben sein. Sie können
eine bekannte oder eine unbekannte Genese aufweisen.
Angeborene Herzerkrankungen sind toxisch-infektiöser oder
erblicher Genese. Angeborene Missbildungen treten mit einer zunehmenden Häufigkeit
auf. Bei einigen Rassen (z.B. Boxer, Cavalier King Charles Spaniel) ist ein
kardiologisches Screening vor dem Zuchteinsatz bereits zur Routine geworden.
Eine besonders große Bedeutung hat daher die Untersuchung zum Zeitpunkt
der ersten Impfung in der Tierarztpraxis. Sie ist die erste Gelegenheit, einen
solchen angeborenen Defekt zu erkennen. Jedes Herzgeräusch sollte, über
die Auskultation hinausgehend, weiterführend diagnostisch abgeklärt
werden. Gerade bei den angeborenen Herzfehlern sollte in prognostisch günstigen
Fällen rasch eine Therapie eingeleitet werden. Anderenfalls kann es durch
den Bewegungsdrang der jungen Tiere leicht zu plötzlichen Todesfällen
kommen16.
Bei erworbenen Herzerkrankungen kommen, neben der unbekannten
Genese, metabolische, neoplastische, toxische, infektiöse oder genetisch
bedingte Ursachen in Frage. Die erworbenen Herzerkrankungen nehmen beim Hund
mit 85% den Hauptanteil der Kardiomyopathien ein6. Davon stellen die AV-Klappeninsuffizienz
infolge Klappenendokardiose (33%) und die dilatative Kardiomyopathie (0,5-1%)
die am häufigsten vorkommenden Formen dar. Für die AV-Klappeninsuffizienz
besteht eine Prädisposition bei kleineren, älteren Hunden, für
die dilatative Kardiomyopathie sind jüngere, größere Hunde prädisponiert10.
Grundsätzlich muss unterschieden werden zwischen Herzkrankheit
und Herzinsuffizienz. Als Herzkrankheit wird das Vorliegen
eines Befundes am Herzen (z.B. Herzgeräusch) bezeichnet. Die Herzinsuffizienz
dagegen ist ein Syndrom7. Sie liegt vor, wenn das Herz trotz
Einsatzes von Kompensationsmechanismen unfähig ist, den Organismus ausreichend
mit Blut zu versorgen. Eine Herzinsuffizienz kann relativ oder absolut sein.
Eine relative Herzinsuffizienz tritt infolge einer massiven akuten oder chronischen
Steigerung der Leistungsanforderung (Überbelastung, Klappeninsuffizienz)
auf. Eine absolute Herzinsuffizienz ist Folge einer Myokarderkrankung mit Erschöpfung
der kompensatorischen Regulationsmechanismen6.
Bei Linksherzinsuffizienz treten überwiegend Anzeichen
für eine Stauung im Lungenkreislauf auf, beispielsweise Husten, Dyspnoe
und Lungenödem. Bei 50% aller herzkranken Hunde ist Husten das erste und
oft einzige Symptom.
Zeichen einer Rechtsherzinsuffizienz sind
Aszites, Hydrothorax und periphere Ödeme. Diese Anzeichen treten auch bei
einer perikardialen Tamponade auf.
Generelle Symptome einer Herzinsuffizienz
sind Unruhezustände (besonders nachts), Adams-Stokes-Anfälle (epileptiform),
Synkopen (ohne Krampfcharakter) und Leistungsschwäche6.
Jede Herz-Kreislauf-Erkrankung lässt sich, entsprechend den im Vordergrund
stehenden pathophysiologischen Mechanismen, in eine der drei folgenden Gruppen
einteilen:
1. Primäres Myokardversagen (Pumpversagen)
- Idiopathische Kardiomyopathie
- Sekundäre Kardiomyopathie
2. Überlastung der Ventrikel
- Volumenbelastende Fehler
- Druckbelastende Fehler
3. Füllungsbehinderung der Ventrikel
- Hypertrophe Kardiomyopathie
- Restriktive Kardiomyopathie
- Konstriktive Perikarditis
- Intrakavitäre Massen
Die Herzinsuffizienz kann als wichtigstes Symptom bzw. wichtigste Folge jeder
Herz-Kreislauf-Erkrankung auftreten. Sie kann akut auftreten, sich kontinuierlich
entwickeln oder chronisch vorhanden sein. Unabhängig von der Entwicklung
ist das Herz nicht mehr in der Lage, die den metabolischen und zirkulatorischen
Anforderungen des Körpers entsprechende Förderleistung zu erbringen.
Pathophysiologie der Herzinsuffizienz
Die ursächliche Schädigung führt je nach Lokalisation zu einer
Füllungsbehinderung der Ventrikel, zu ventrikulären Druck- bzw. Volumenbelastungen
oder zur Schädigung des Myokards. Das in der Folge sinkende Herzminutenvolumen
löst eine Reihe kardialer und peripherer Kompensationsmechanismen aus.
Durch diese Mechanismen soll die Auswurfleistung des Herzen aufrecht erhalten
und eine ausreichende Organperfusion gewährleistet werden. Zu diesem Zweck
werden folgende kardiale und neurohumorale Mechanismen aktiviert:
Als Folge davon nimmt die Kontraktionskraft des Herzen, die Herzfrequenz, die
periphere Vasokonstriktion und die Na- bzw. Flüssigkeitsretention zu.
Die Vasokonstriktion führt zu einer Erhöhung der Nachlast.
Das heißt, der Widerstand, den die Myokardmuskulatur bei der systolischen
Entleerung des Ventrikels überwinden muss, wächst. Dies erhöht
zusammen mit der gesteigerten Herzfrequenz und der gestiegenen Kontraktilität
den Sauerstoffbedarf des Herzen. Dadurch entsteht bei ohnehin vermindertem Sauerstoffangebot
ein Defizit an Sauerstoff, das zu myogenem Versagen und Arrhythmien führen
kann.
Durch die zunehmende Na- und Wasserretention (Aldosteron, ADH) steigt das zirkulierende
Blutvolumen. Daraus resultiert eine Zunahme des Füllungsdrucks der Ventrikel
und eine Drucksteigerung in den stromaufwärts (venösen) gelegenen
Herz- und Gefäßabschnitten. Die Vorlast des Herzens wird erhöht.
Die Vorlast ergibt sich aus der Dehnung und Länge der
linksventrikulären Muskelfasern. Als Folge steigt der linksventrikuläre
enddiastolische Druck, es kommt zur Lungenstauung und Ödembildung.
Gegenspieler des RAAS und des Sympathikus sind das Kallikrein-Kinin-
und Prostaglandinsystem sowie der atrialer natriuretische Faktor
(ANF), der auch als atriales natriuretisches Peptid (ANP) bezeichnet wird. Kallikrein
wird durch die Enzyme Kinase I und II zu Bradykinin abgebaut. Die Kinase II
entspricht dem Angiotensin-Converting-Enzym (ACE). Bradykinin wirkt vasodilatatorisch,
diuretisch und steigert die Ausschüttung von Prostaglandin. Kardiale und
vaskuläre Gewebe weisen lokale Kallikrein-Kinin-Systeme auf.
Der ANF gilt als guter Indikator für den Schweregrad einer Herzinsuffizienz.
ANF wird bei erhöhter atrialer Volumenbelastung aus dem Vorhofmyokard freigesetzt.
ANF und Protaglandine hemmen die antinatriuretischen und antidiuretischen Effekte
von RAAS und Sympathikus. Diese Mechanismen der Gegenregulation sind jedoch
in ihrer Kapazität beschränkt und im fortgeschrittenen Stadium einer
Herzinsuffizienz dem Vasokonstriktorensystem (RAAS, Sympathikus) unterlegen.
Deshalb sollten Herzpatienten zur Erhaltung der hämodynamischen und klinischen
Stabilität mit exogenen Vasodilatatoren (z.B. ACE-Hemmern) und Diuretika
behandelt werden6.
Diese komplexen Vorgänge werden im Praxis-Tipp: Schematische
Darstellung der Pathophysiologie der chronischen Herzinsuffizienz (s. Originalien)
zusammengefasst dargestellt.
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