10.02.2017: bpt-Präsident Dr. Siegfried Moder spricht im Interview über sein Amt und die Zukunft

Vetion.de: Guten Tag Herr Dr. Moder. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Gespräch nehmen, ein Jahr nach Ihrem Amtsantritt. Was haben Sie von dem, was Sie sich bei Ihrem Amtsantritt vorgenommen haben, bereits alles umsetzen und verwirklichen können?

Dr. Moder: Natürlich haben wir nach einem Jahr noch längst nicht alles geschafft, was wir uns vorgenommen haben, doch konnten wir bereits einiges anstoßen. So zum Beispiel war und ist eines unserer Ziele, dass die unterschiedlichen tierärztlichen Verbände in Berlin und Brüssel mit einer Stimme sprechen. Sonst läuft die Tierärzteschaft Gefahr, nicht ernst genommen zu werden. Schließlich sind wir nur ein sehr kleiner Berufsstand.

Umso wichtiger, dass die Tierärzteschaft die bestehenden Probleme vereint angeht und gemeinsam Lösungen erarbeitet. An erster Stelle sei hier die One-Health-Strategie genannt. Über dieses Thema muss aber nicht nur innerhalb der Tierärzteschaft Einigkeit bestehen, sondern es muss gemeinsam mit der Humanmedizin angepackt werden. Auch hier sind wir ein gutes Stück weiter gekommen im vergangenen Jahr. So gab es im September ein Treffen mit Vertretern der Humanmedizin, u.a. mit dem Präsidenten der Bundesärztekammer Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery sowie den Kollegen Vogel, Fuchs, Tiedemann und meiner Wenigkeit, wo wir Tierärzte den Humanmedizinern einmal die Situation in der Veterinärmedizin darlegen konnten. Dabei stellte sich heraus, dass den Humanmediziner vielfach nicht bewusst war, was von Seiten der Tiermedin bereits alles unternommen wurde, um den Einsatz der Antibiotika zu reduzieren. Weiterhin haben wir uns geeinigt, mit den gegenseitigen Schuldzuweisungen aufzuhören und stattdessen konkreter und zielführender in der Zukunft zusammenzuarbeiten. Zu diesem Zweck soll eine gemeinsame Arbeitsgruppe gebildet werden, die sich mit Antworten auf Fachfragen beschäftigt. Dies ist beispielsweise die Frage, welches sind Reserveantibiotika und warum, wann dürfen sie eingesetzt werden. Betrachtet man nämlich einmal die Cephalosporine der 3. Generation, stellt man fest, dass ihr Einsatz in der Veterinärmedizin 2% der Gesamtmenge ausmacht, während er in der Humanmedizin mehr als 50% beträgt.

Vetion.de: In Ihren Augen greifen also die in der 16. AMG-Novelle festgelegten Maßnahmen?

Dr. Moder: Jein. Es ist das Gesamtpaket aus einer verbesserten Awareness, der QS-Zahlen und der AMG-Novelle. Die Summe des Ganzen hat zu einer Mengenreduktion des Antibiotikaeinsatzes in der Veterinärmedizin um mehr als 50% seit 2011 geführt. Das ist ja schon mal sehr erfreulich. Könnte ich entscheiden, würde ich mir neben der Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes auch die Indikationen ansehen, die eine Antibiotikabehandlung rechtfertigen. Dann kommen wir automatisch zu einer Verbesserung von Haltung und Management. Denn bei der Reduzierung der eingesetzten Antibiotikamengen, so wie sie die 16. AMG-Novelle vorschreibt, erreichen wir irgendwann ebenso wie in anderen Ländern, einen Sockelbetrag. Darunter wird es dann nicht mehr gehen, sonst wird es tierschutzrelevant.
Ein weiterer Schwachpunkt der 16. AMG-Novelle ist die Nicht-Erfassung der Mortalitätsrate. Ebenso das Nicht-Unterscheiden zwischen keiner Behandlung und vergessen eine Behandlung einzugeben. Zudem sind in der AMG-Novelle nur Masttiere erfasst. Allerdings wird es vor Ablauf der 5 Jahre keine Evaluierung der 16. AMG-Novelle geben. Dies bestätigte mir jüngst Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt. Dennoch sind wir bereits gebeten worden, Pros und Kontras zu sammeln und diese dann zu gegebener Zeit gemeinsam mit konkreten Verbesserungsvorschlägen zu präsentieren. Eventuell ist es sogar notwendig, das System einmal komplett zu hinterfragen. Dazu haben wir im bpt eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich mit ebensolchen Fragen auseinandersetzen soll. Aber der Weg ist noch lang. Allerdings wurde Deutschland ja auch gerade für seine bereits ergriffenen Initiativen und Maßnahmen in Sachen Antibiotikaminimierung und Aufklärung höchst offiziell von der EU gelobt.

Vetion.de: Wie würden Sie das letzte Jahr für sich zusammenfassen? Haben Sie Ihre Entscheidung, dieses Amt zu übernehmen, schon bereut? Sind Sie bereits müde aufgrund des sehr intensiven Programms und der vielen Termine, die Sie zu absolvieren haben? Wie vereinbaren Sie Ihr neues Amt mit Ihrer Praxis?

Dr. Moder: Nein, ich habe die Entscheidung noch nicht bereut. Ich gehe wirklich auf in meinen neuen Aufgaben. Dennoch versuche ich, auch weiterhin im Schnitt mehrere Tage der Woche Teil des Praxisbetriebes zu sein, damit ich denn auch in Zukunft weiß, wovon ich spreche. Das ist Teil meiner Authentizität.

Vetion.de: Wie sehen Sie als Nutztierpraktiker die Entwicklung in der Landwirtschaft sowie die Stimmung der Verbraucher in Bezug auf die Nutztierhaltung?

Dr. Moder: Das ist ein Thema, was mir sehr am Herzen liegt. Ich nenne es Praktiker 4.0, denn wenn die Nutztierhaltung aus Deutschland verschwindet, braucht es dafür auch keine Tierärzte mehr. Daher suchen wir vom bpt den Dialog, sowohl mit den Bauernverbänden als auch mit den sogenannten Tier- und Verbraucherschützern. So auch hier auf dem Kongress, zu dem wir den Kollegen Matthias Wolfschmidt eingeladen haben, den Autor des Buches „Das Schweinesystem“ und Kampagnenleiter von foodwatch. Nur ein Austausch kann schlussendlich zu Lösungen führen.

Gleichzeitig sprechen wir auch mit den Bauernverbänden, damit diese aktiv werden. Denn jetzt wird sich entscheiden, ob wir in 10 oder 20 Jahren in Deutschland noch Nutztierhaltung haben und Lebensmittel tierischer Herkunft produzieren oder nicht. Aus diesem Grund bin ich auch sehr gespannt auf die Stimmung und die Botschaften auf der Grünen Woche in Berlin im Januar 2017.

Vetion.de: Noch abschließend ein paar Worte zum diesjährigen bpt-Kongress hier in Hannover? Waren Sie zufrieden?

Dr. Moder: Sehr! Sowohl mit den Teilnehmer- als auch den Ausstellerzahlen. Bislang haben wir außerdem von allen Seiten ein durchaus positives Feedback bekommen, was uns sehr freut und auch weiter motiviert. Ich denke, die Kolleginnen und Kollegen spüren auch das inzwischen sehr gute Miteinander im bpt und die gute Zusammenarbeit des Teams sowie des Präsidiums. Das erleichtert auch mir die Arbeit sehr. Hier arbeitet einer für den anderen mit und unterstützt ihn. Es herrscht Vertrauen und der Wille, etwas bewegen zu wollen. Dafür und für die Unterstützung möchte ich mich an dieser Stelle auch noch einmal ganz herzlich bei allen Beteiligten bedanken!

Vetion.de: Vielen Dank für dieses Gespräch und weiterhin alles Gute!

Links / Literatur

Bearbeitet von:
Dr. Julia Henning
Vetion - Team
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