24.11.2017: Erschütternde Bilder über Lebendtiertransporte in Drittländer - Verbote gefordert



An der Grenze von Bulgarien in die Türkei reiht sich auch im Sommer bei enormer Hitze ein Viehtransporter an den anderen. Teilweise dauert die Abfertigung Tage, ohne dass die Tiere versorgt werden können.

Am Dienstagabend (21.11.2017) hat das ZDF in der Dokumentationsreihe "37 Grad" über die "Geheimsache Tiertransporte - Wenn Gesetze nicht schützen" über den Lebendviehexport in Drittländer berichtet. Die Bilder der auf vielerlei Art von Menschen willkürlich gequälten und absolut rücksichtslos behandelten Rinder und Schafe dürften empathische Menschen noch eine Weile verfolgen.

Das von der Tierrechtsorganisation Animal Wellfare Foundation gesammelte Videomaterial zeigte außerdem die zum Teil katastrophalen Transportbedingungen der Tiere, insbesondere wenn sie die Grenzen der EU verlassen und beispielsweise in die Türkei, den Libanon oder Ägypten verbracht werden. Die Animal Wellfare Foundation wollte mit diesem Beitrag vor dem Hintergrund massiv steigender Lebendtiertransporte in Drittländer darauf aufmerksam machen, dass der Tierschutz für die Transporttiere spätestens nach dem Verlassen der EU-Grenzen endet, obgleich der Europäische Gerichtshof in einem Urteil festgehalten hat, dass der Tierschutz bis zur Ankunft am Bestimmungsort eingehalten werden muss. Damit gibt er den Veterinärämtern die Möglichkeit, Lebendtiertransporte in Drittländern u.U. zu untersagen.

Eine Möglichkeit, von der vor allem in den Sommermonaten sehr viel mehr Gebrauch gemacht werden sollte! Denn hier reihen sich bei Temperaturen von 40°C und mehr nicht selten ein Viehtransporter nach dem anderen am Grenzübergang von Bulgarien in die Türkei aneinander. Die Tiere können hier häufig über mehrere Tage nicht versorgt werden, viele verenden.

In Anbetracht der gezeigten Bilder, ist dies jedoch möglicherweise noch humaner als lebendig bis zu einem Schlachthof in der Türkei oder dem Libanon zu gelangen. Hier werden die Tiere mit Krähnen abgeladen und kopflos geschlagen. Einige Videos zeigten Männer, die den Tieren kaltblütig die Augen ausstechen oder und die Sehnen durchschneiden. Anschließend prügelten sie die Tiere weiter, bevor sie ihnen bei vollen Bewusstsein ohne Narkose die Halsschlagader aufschlitzen und johlend zusehen, wie die Tiere qualvoll verbluten.

Die Tierschützer haben versucht, die Zuständigen in der EU dazu zu befragen. Dort heißt es Einzelfälle. Die Videos zeigen jedoch, keine Einzelfälle sondern unvorstellbar grausame Routine.

Inzwischen hat sich sowohl die Bundestierärztekammer (BTK) als auch der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) ein Ende des Transports von Schlachttieren aus der EU in die Türkei und den Nahen Osten gefordert. „Es müssen unverzüglich durchgreifende Maßnahmen, die nachhaltig für die Abstellung der Mängel sorgen, ergriffen werden“, so Dr. Uwe Tiedemann, Präsident der Bundestierärztekammer. „Transport- und Schlachtbedingungen in den Zielländern erfüllen nicht einmal annähernd EU- Standards“, erklärt Dr. Tiedemann. „Und das ist noch eine verharmlosende Beschreibung der Zustände.“

Konkret fordert die BTK u.a., dass die Abfertigung von Tiertransporten nur noch dann gestattet wird, wenn vor dem ersten Transport auf einer Route durch eine unabhängige Kommission abgesichert ist, dass alle Tierschutzanforderungen lückenlos eingehalten werden. Zudem müsste es zu einer zügigen Abfertigung von Tiertransporten an der Grenze kommen und - falls es doch zu Wartezeiten kommt - die Versorgung der Tiere an der Grenze sichergestellt werden. Grundsätzlich müssten die Transportzeiten von Tieren so kurz wie möglich gehalten werden. Immer dort, wo es möglich ist, sollte statt einem Lebendtransport der Transport von Schlachtkörpern stattfinden.

Der WLV kritisierte in einer Pressemitteilung die dokumentierten unhaltbaren Zustände auf Transportschiffen und LKW. "Ich appelliere daher an die Politik, den Bund und die Europäische Union, gesetzliche Regelungen zu schaffen, die den Transport von Schlachttieren nach Drittländern gänzlich verbieten“, so WLV-Präsident Johannes Röring. Auch das Bündnis für Tierschutzpolitik hat ein Positionspapier verfasst, in dem sie die Politiker auffordern, endlich zu handeln und diesen grausamen und unsinnigen Lebendtiertransporten in Drittländer über tausende Kilometern ein Ende zu setzen.

 

Durch das Unterzeichnen einer Petition können auch Sie einen Beitrag zu mehr Tierschutz leisten.

Links / Literatur

Bearbeitet von:
Dr. Julia Henning
Vetion - Team
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