Igel - Patient in der Tierarztpraxis

mit freundlicher Unterstützung von

PRO IGEL  e.V.

Herbstzeit ist Igelzeit - Wer braucht Hilfe vor dem Winter?


Igel sind possierliche, unter Naturschutz stehende Wildtiere, die das Herz von Tierfreunden h�her schlagen lassen. Gerade im Sp�tsommer und im Herbst sind die Stacheltiere wieder vermehrt ab der D�mmerung und Nachts zu h�ren und zu sehen, wenn sie durch die G�rten und Parks flitzen auf der Suche nach Nahrung, um sich noch rasch vor dem Winterschlaf gen�gend Energiereserven anzufressen.

Igel, besonders junge und kleine Igel, die hingegen tagaktiv sind, haben meistens ein Problem und bed�rfen Hilfe. Ebenso Tiere, die Ende November weniger als etwa 500 Gramm wiegen. Solche und nat�rlich verletzt oder krank wirkende Tiere sollten zu einer Igelstation oder einer Tierarztpraxis gebracht werden.

Da der Igel in der Tierarztpraxis das in der Regel meist gesehene Wildtier ist, sollte die Tier�rztin/Tierarzt zumindest �ber solide Grundkenntnisse �ber Igel, ihre Pflege sowie die Untersuchung und die h�ufigsten Erkrankungen verf�gen.

Dieses Fokusthema vermittelt solch ein Basiswissen �ber Igel und gibt Tier�rzten weiterf�hrende Tipps in Bezug auf Untersuchung und Behandlung. Dieses Fokusthema wurde mit freundlicher Unterst�tzung von Pro Igel e.V. erstellt.

Der Igel als Patient

Jungtier

Es kommt vor, insbesondere im Sp�tsommer und im Herbst, dass Ihnen ein Igel in die Praxis gebracht wird. Wie Sie dann weiter vorgehen, auf was Sie achten und was Sie erfragen sollten, haben wir Ihnen hier zusammengestellt.
  1. Funddatum, -uhrzeit, -gewicht und genaue Fundstelle notieren.
  2. Geschlechtsbestimmung: Wichtig v.a. bei Alttieren im Sommer, um s�ugende Muttertiere ermitteln zu k�nnen.
  3. Igel auf Verletzungen untersuchen.
  4. Unterk�hlte Igel (Bauchseite k�lter als handwarm) w�rmen.
  5. Wenn m�glich Fliegeneier und/oder Maden, Fl�he, Zecken entfernen - nicht baden.
  6. F�ttern als Erstversorgung.
  7. Notunterkunft bauen.
  8. Kot f�r Untersuchung sammeln (1-2 Tage).
  9. Grundregeln der Hygiene beachten.
  10. Gesunde Tiere sofort wieder freilassen (m�glichst am Fundort)!
    Verletzte und geschw�chte Tiere sollten unverz�glich dem Tierarzt vorgestellt werden!
Der Igel in der Praxis:
  1. Igel grammgenau wiegen.
  2. Igel untersuchen (Geschlecht, Ern�hrungszustand, Verhalten, Verletzungen, Atemger�usche, K�rper�ffnungen..).
  3. Schwache Tiere erst aufbauen, niemals sofort entwurmen!
  4. Ekto- und Endoparasiten entfernen.
  5. Krankheiten behandeln.
  6. Der Igel in der Praxis:
    PDF
    mit Arzneimittelliste

  7. Rechtliche Situation erkl�ren.
  8. Merkbl�tter von Pro Igel e.V. empfehlen/mitgeben.
  9. Gesunde Tiere sofort wieder freilassen (m�glichst am Fundort)!
Ziel jeder Pflege muss es sein, den Igel zur Wiedereingliederung in die Natur zu bef�higen! Die bei immer mehr Menschen vorhandene Schutz- und Pflegebereitschaft f�r solche Tiere soll nicht blockiert, sondern in geordnete Bahnen gelenkt werden.

Auf Myvetlearn.de k�nnen sich Tier�rztinnen und Tier�rzte mit dem Einsteigerkurs Igel: Der Igel als Patient in der Kleintierpraxis online fortbilden. Lernen Sie in diesem E- Learningkurs die Besonderheiten des vermutlich am h�ufigsten in der Praxis vorgestellten Wilds�ugers kennen, um ihm in Behandlung und Diagnostik gerecht werden zu k�nnen.
Die Online-Fortbildung ist mit 5 ATF-Stunden anerkannt, ein Einstieg ist jederzeit m�glich.

Der Igel - Das gesch�tzte Tier

Igel im Laub

Igel geh�ren zu den besonders gesch�tzten Tierarten. Es ist daher verboten, ihnen nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu t�ten, ihre Brut-, Wohn- oder Zufluchtst�tten der Natur zu entnehmen, zu besch�digen oder zu zerst�ren. Es ist ferner verboten, Igel in Besitz zu nehmen.
Abweichend von diesen Verboten ist es zul�ssig, verletzte und kranke Igel, sowie verwaiste Igels�uglinge aufzunehmen, um sie gesund zu pflegen. Sie sind unverz�glich in die Freiheit zu entlassen, sobald sie sich dort selbst�ndig erhalten k�nnen.
(Bundesnaturschutzgesetz �39)

...Verletzte Igel..
Oft deuten schon Fundort und -umst�nde (Stra�en und Bauarbeiten) auf Verletzungen hin. Tiere, die vermutlich tagelang in Gruben, Lichtsch�chten o.�. ohne Wasser und Futter gefangen waren, brauchen ebenfalls Hilfe.

...Kranke Igel..
Den kranken Igel erkennt man an den eingefallenen, schlitzf�rmigen Augen, den Besatz mit Schmei�fliegen (in der warmen Jahreszeit) und am schlechten Ern�hrungszustand (Einbuchtung hinter dem Kopf, hervorstehende H�ftknochen). Ein kranker Igel verh�lt sich apathisch, rollt sich kaum ein, sucht tags�ber Futter, torkelt oder liegt herum.
Ausnahmen stellen s�ugende Igelweibchen dar, die manchmal auch tags�ber zwischen Aufzuchtnest und einem weiteren Tagesschlafplatz wechseln. Ebenso k�nnen aufgescheuchte Igel dazu gezwungen sein auch tags�ber einen neuen Unterschlupf zu suchen.

...Verwaiste Igels�uglinge..
Igeljunge mit noch geschlossenen Augen und Ohren, die sich tags�ber au�erhalb ihres Nestes aufhalten und sich wohlm�glich k�hl anf�hlen sind mutterlos. Im Zweifelsfall Nest und Umgebung eine kurze Zeit beobachten.

Auch Igel, die nach Wintereinbruch (bei Dauerfrost und/oder Schnee) herumlaufen brauchen i.d.R. Hilfe. Auch diese Tiere findet man �berwiegend am Tage. Es kann sich um kranke oder schwache Alttiere handeln. H�ufiger sind es jedoch sp�tgeborene Jungtiere, die sich wegen Krankheit oder geringen Nahrungsangebotes keinen ausreichenden Winterspeck anfressen konnten.

Wann kann sich ein Igel in der Freiheit selbstst�ndig erhalten?
Igel, die Anfang November �ber 500g wiegen und nicht verletzt oder krank sind, gelten nicht als hilfsbed�rftig. Ausnahmen sind Igel, die bei Frost oder Schnee i.d.R. tags�ber unterwegs sind.
Igel, die in menschlicher Obhut �berwintert haben, sollten ab Mitte April (Bodenleben muss vorhanden sein) bis sp�testens Mitte Mai abends am Fundort freigelassen werden. Jungigel sollten dabei ein Gewicht von 650- 700g aufweisen.

Nach dem Tierschutzgesetz gilt...
Wer ein Tier h�lt, betreut oder zu betreuen hat,
1. muss das Tier seiner Art und seinen Bed�rfnissen entsprechend angemessen ern�hren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,
2. darf die M�glichkeit des Tieres zu artgem��er Bewegung nicht so einschr�nken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbares Leiden oder Sch�den zugef�gt werden,
3. muss �ber die f�r eine angemessene Ern�hrung, Pflege und verhaltensgerecht Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und F�higkeiten verf�gen.
(Tierschutzgesetz �2)

Steckbrief

Igel im J�gerzaun

Igel geh�ren erdgeschichtlich zu den �ltesten noch existierenden S�ugetierformen. Sie sind seit dem Terti�r nachgewiesen.

Vorkommen:
Durchgr�nte Siedlungsrandbereiche, G�rten, Parks je nach Nistgelegenheiten und Nahrungsangebot

Lebensraum:
M�nnchen: bis zu 100 ha, je nach Verteilung der Weibchen
Weibchen: 20-30 ha, je nach Nahrungsangebot Igel sind reviertreue Einzelg�nger, verteidigen ihr Revier aber nicht gegen Artgenossen.

Lebenserwartung:
Ein Alter von 7-8 Jahren kann erreicht werden. Aufgrund der hohen Jugendsterblichkeit betr�gt die durchschnittliche Lebenserwartung allerdings nur 2-4 Jahre.

Fortpflanzung:
Paarungszeit: April bis Ende August
Tragezeit: ca. 35 Tage
Jungtiere: durchschnittlich 4-7 blinde und taube Jungtiere einmal pro Jahr
S�ugeperiode: 6 Wochen tags�ber
Im Alter von 4 Wochen verlassen die Jungtiere erstmals alleine das Nest, erste feste Nahrung wird aufgenommen.
Die M�nnchen nehmen an der Aufzucht der Jungtiere nicht teil.

Feinde:
Die nat�rlichen Feinde des Igels sind F�chse, Uhus, Dachse und Hunde. Auch Katzen k�nnen Igelbabys t�ten. Der gr��te Feind des Igels sind allerdings vom Menschen gemachte Gefahren!

Nahrung:
Igel sind nachtaktive Insektenfresser. Zu ihrer Nahrung geh�ren u.a. Schnecken, Spinnen, K�fer, Larven und Regenw�rmer, seltener Asseln, gelegentlich Aas. Pflanzenteile werden vermutlich nur zuf�llig mit anderer Nahrung aufgenommen.

Nestbau:
Im laufe des Sommers bauen Igel sich mehrere Nester. Sorgf�ltig konstruiert wird meist nur das Nest zur Aufzucht der Jungen. Winterschlafnester m�ssen gut w�rmeisoliert und m�glichst regen- und schneedicht sein.

Winterschlaf:
Herzschl�ge auf 8 Schl�ge pro Minute reduziert, Atmung 3-4 mal pro Minute. Die K�rpertemperatur sinkt auf etwa 5�C. Verlust von 20- 30% des K�rpergewichts.

Gr��e, Gewicht:
K�rperl�nge erwachsener Igel: 24 -28 cm
Gewicht erwachsener Igel: 800 - 1500g
M�nnchen sind im allgemeinen schwerer als Weibchen.

Stacheln:
Bei der Geburt: ca. 100 in die aufgequollene R�ckenhaut eingebettete Stacheln
Ausgewachsene Igel: 6000 - 8000 Stacheln

Sinne:
Geh�r, Geruchs- und Tastsinn sind sehr gut ausgebildet, das Sehverm�gen ist nur m��ig.

Laut�u�reungen:
Bei Gefahr: fauchen, puffen, tuckern
Schmerz: Schreie erinnern an das Kreischen einer Kreiss�ge
Paarungsvorspiel: schnaubende Ger�usche
Igels�uglinge: zwitschern wie V�gel

Pro Igel e.V.

Pro Igel ist ein gemeinn�tziger Verein, dem Wissenschaftler, Forscher, Biologen, Tier�rzte, Sachbuchautoren und Vorsitzende gro�er deutscher Igelschutzvereine angeh�ren. Pro Igel arbeitet mit dem Deutschen Tierschutzbund, dem BUND und dem NABU zusammen.

Zielsetzung:

  • Qualifizierte Betreuung notleidender Igel
  • Informationssammlung und -austausch zum Schutz des Igels
  • Aufkl�rung der �ffentlichkeit �ber Ma�nahmen zum Igelschutz
  • Unterst�tzung der Forschung �ber Verhalten, Biologie und Lebensr�ume des Igels


Leistungen:

  • Angebot von ausf�hrlichem Informationsmaterial
  • Pressemitteilungen, Buchbesprechungen
  • Herausgeber von Forschungsarbeiten
  • Videofilm "Igel-Leben" zusammen mit Pro Igel Schweiz
  • Herausgeber der Fachzeitschrift "Igel- Bulletin"
  • Ausf�hrliche Website zum Thema Igel
  • Veranstalter der "Fachtagung Rund um den Igel", 1993 in Stuttgart, 2001,2009 und 2018 in M�nster/Westfalen



Verlagspublikationen von Pro Igel erw�nscht?

Pro Igel e.V. Vertrieb

Im Wiehagen 13

49163 Bohmte

Email: verlag@pro-igel.de oder vertrieb@pro-igel.de

Homepage: www.pro-igel.de


Tipps & Tricks f�r die Praxis

Sollte in keiner Tierarztpraxis fehlen: das Buch Igel in der Tierarztpraxis

Hier haben wir Ihnen die wichtigsten Tipps und Tricks f�r die Behandlung von Igeln nochmal stichpunktartig zum Nachschlagen zusammengestellt. Au�erdem m�chten wir Tier�rztinnen und Tier�rzte auf die ATF-anerkannte Online- Fortbildung "Einsteigerkurs Igel: Der Igel als Patient in der Kleintierpraxis" von Myvetlearn.de hinweisen.

Unterk�hlung
F�tterung
Baden
Notunterkunft
Untersuchung
Geschlechtsbestimmung
Altersbestimmung
Ern�hrungszustand
Injektionstechnik
Igels�uglinge - Insektizide


Unterk�hlung
Eine Unterk�hlung ist vorhanden, wenn sich das Tier an der Bauchseite deutlich k�lter als die eigene Hand anf�hlt. Eine mit gut handwarmem Wasser gef�llte Gummiw�rmflasche umwickelt man mit einem Frotteehandtuch (ohne Aufh�nger, ohne L�cher oder heraush�ngende F�den - Verletzungsgefahr!) und legt sie in einen passenden hochwandigen Karton. Darauf setzt man den Igel und deckt ihn mit einem weiteren Handtuch zu. (zur�ck)

F�tterung
Erstversorgung: Hunde- oder Katzenfutterdose oder kurz angebratenes Rinderhack oder R�hrei (keine Gew�rze, zerkleinert).
Wasser - KEINE Milch
Schwache Tiere: Fenchel- oder Kamillentee (lauwarm, unges��t) mit der Spritze eingeben.
Frisst der Igel �ber Nacht nicht von selbst, ist unverz�glich der Tierarzt aufzusuchen. (zur�ck)

Baden
Baden bedeutet f�r den Igel Stress. Deshalb sollten schwache Tiere und Igels�uglinge auf keinen Fall gebadet werden. Stabile Tiere kann man zur S�uberung und zur Entfernung von Fl�hen baden. Dazu l�sst man wenig handwarmes Wasser in ein Waschbecken ein und setzt den Igel hinein. Die Hand st�tzt Kopf und Brust. Aus einem Becher kann man Wasser �ber Kopf und schultern rieseln lassen. Nach dem Bad h�llt man den Igel in ein Handtuch ein, das man wechselt, sobald es feucht ist. Der Igel soll an einem warmen und vor Zutluft gesch�tzten Ort trocknen.
Nicht abbrausen! Nicht schwimmen lassen! Nicht f�nen! (zur�ck)

Notunterkunft
Igel sind Einzelg�nger, nur ganz junge Tiere eines Wurfs vertragen sich. Auch die Notunterkunft f�r einen Igel muss ausbruchsicher gestaltet sein (Seitenw�nde 45-50cm hoch). Karton kann durchgenagt werden. Den Boden mit mehreren Lagen Zeitungspapier auslegen (kein Katzenstreu, S�gemehl o.�.) und t�glich (morgens) wechseln. Schlafhaus (Karton ca. 30x30cm mit Schlupfloch 12x12cm) mit zerrissenem Zeitungspapier f�llen. (zur�ck)

Untersuchung
Zur Untersuchung den Igel sanft �ber den R�cken streicheln, bis er sich ausrollt. Dann mit der flachen Hand in Seitenlage bringen. Das entspannte Tier kann auch behutsam an den Hinterbeinen gefasst und angehoben werden (Handstandstellung). (zur�ck)

Geschlechtsbestimmung
Die Geschlechtsbestimmung ist vor allem bei Alttieren in den Sommermonaten wichtig, da es sich um s�ugende Muttertiere handeln kann. Zur Geschlechtsbestimmung den Igel sanft �ber den R�cken streicheln, bis er sich ausrollt. Dann mit der flachen Hand in Seitenlage bringen. Das entspannte Tier kann auch behutsam an den Hinterbeinen gefasst und angehoben werden (Handstandstellung).
Weibchen: Vagina unmittelbar vor dem After
M�nnchen: Penis�ffnung in der Mitte der hinteren K�rperh�lfte (zur�ck)

Altersbestimmung

Geburt 1 Woche 2 Wochen 3 Wochen 4 Wochen
Hautfarbe rosa rosa grau grau grau
Stacheln wei� einzelne dunkle dunkel dunkel dunkel
Fell ohne ohne etwas Flaum vorhanden dicht
Augen/
Ohren
ge-
schlossen
ge-
schlossen
�ffnen sich offen offen
Z�hne keine keine keine sto�en durch vollz�hlig
Gewicht (g) 12-25 30-50 60-80 100-130 140-180

� Monika Neumeier, Lindau/B.

(zur�ck)

Ern�hrungszustand
Normaler Igel: K�rper birnenf�rmig, kein Hals.
Magerer Igel: K�rper wurstf�rmig, Einbuchtung hinter dem Kopf, herausstehende H�ftknochen, schlitzf�rmige Augen. (zur�ck)

Injektionstechnik
Stachelhaut z.B. mit Kodan reinigen, rechts oder links am Hinterk�rper mit Pinzette oder Arterienklemme fixieren, leicht anheben, in die sich bildende Falte subcutan parallel zur K�rperoberfl�che injizieren. Citarin- oder Ivomec-Injektionen in Kopfn�he oder in die Bauchh�hle k�nnen zum Exitus f�hren! (zur�ck)

Igels�uglinge - Insektizide
Igels�uglinge grunds�tzlich nicht mit Insektiziden behandeln. (zur�ck)

Mehr wertvolle Informationen �ber Igel, die h�ufigsten Erkrankungen, Diagnostik und Behandlungsm�glichkeiten finden Tier�rzte in dem Fachbuch "Igel in der Tierarztpraxis".

Igel bald auf der Roten Liste der bedrohten Arten

Eigentlich haben Igel keine großen Ansprüche. Doch Hecken, Büsche und Gehölze, in denen die Wildsäuger ihre natürliche Nahrung finden, werden in der Landschaft und den Gärten Deutschlands immer seltener. Versiegelungen von Vorgärten sowie Mauern und enge Drahtgitterzäune sowie Monokulturen und aufgeräumte Kulturlandschaften machen den Igeln das Leben schwer, weiß der bundesweit tätige Verein Pro Igel e.V..

Braunbrustigel siedeln sich immer mehr in den Parks der Städte und in den Gärten an. Da diese wichtigen Rückzugsgebiete aber immer kleiner werden und die menschgemachten Gefahren hingegen größer, verschwinden die Igel nach und nach. Neben Mährobotern, die meist nachts in Betrieb sind, führen auch freilaufende Hunde, Autos und Zäune zu unzähligen, teils schweren Verletzungen bei den Igeln. Zudem sorgt auch der Insektenschwund für weniger Nahrung. Finden Igel nicht ausreichend Nahrung oder Wasser und sind ständig Störungen ausgesetzt, würden sie in der Folge abwandern. Doch auch Abwanderung sei nicht die Lösung.

Aktuell steht der Braunbrustigel auf der Vorwarnliste der Roten Liste der Säugetiere. Auf der Seite der Deutschen Wildtierstiftung heißt es jedoch, dass der Igel bei gleichbleibendem negativem Einfluss des Menschen wohl in naher Zukunft in die Kategorie gefährdet hochgestuft werden müsse. Um den Wildsäugern zu helfen, reichen bereits kleine Maßnahmen aus. Schon das Belassen von Laubhaufen und anderen Verstecken, der Verzicht von Insektiziden und Rattengift oder das Ausschalten von Mährobotern bei Nacht würden das Leben der Igel verbessern. Ändert sich hingegen nichts, wird diese bekannte Tierart schleichend aber immer weiter aus unserem Ökosystem verschwinden.

 

Publikationen

Pflege hilfsbed�rftiger Igel in Stichworten:

Autor: Dr. Barbara Goo� in Zusammenarbeit mit PRO IGEL e. V.
PRO IGEL - Verein f�r integrierten Naturschutz Deutschland e.V. ist ein bundesweit t�tiger, gemeinn�tziger Verein der sich mit Hilfe umfangreicher �ffentlichkeitsarbeit f�r Igelschutz und Igelhilfe einsetzt und dem Wissenschaftler, Forscher, Biologen, Tier�rzte, Sachbuchautoren und Vorsitzende gro�er deutscher Igelschutzvereine angeh�ren.
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In einigen europ�ischen L�ndern steht der Igel bereits auf der Roten Liste. In Deutschland ist der Igel ganzj�hrig gesetzlich gesch�tzt. Es d�rfen lediglich kranke und verletzte Igel vor�bergehend in menschliche Pflege genommen werden. Nicht jeder Igel braucht Hilfe, aber jede Hilfe muss richtig sein! Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter Aktuelles im Monatsthema Igel.

Weitere Informationen

Hilfsbed�rftig sind:

  • Verwaiste Igels�uglinge
    befinden sich tags�ber au�erhalb des Nestes - evtl. unterk�hlt, Augen und Ohren sind geschlossen.
  • Verletzte Igel
    zeigen Wunden, Knochenbr�che, Bissverletzungen oder Verbrennungen. Sie sind m�glicherweise in Gruben, Sch�chte o.�. gefallen oder in Drahtz�unen gefangen.
  • Kranke Igel
    sind meist tags�ber aktiv, apathisch, abgemagert und zeigen einen torkelnden Gang und tiefliegende Augen.
  • ?Herbst-Igel *)?
    sind Jungigel, die Anfang November unter 500g wiegen.
    *)Ob ein Igel in menschliche Obhut geh�rt oder nicht, muss im Einzelfall beurteilt werden. Es ist ein Rechenexempel, dass Tiere unter 500 Gramm den 1. Winterschlaf nicht �berleben k�nnen, wenn der Herbst nicht besonders mild ist, so dass Nahrungstiere ausreichend verf�gbar sind, oder in der nahrungsarmen Zeit Zuf�tterung gew�hrleistet ist. Denn Igel verlieren w�hrend des Winterschlafs etwa 30-40% K�rpergewicht. Fast immer sind die kleinen so genannten ?Herbst-Igel?, die in menschliche Obhut kommen, auch krank, das belegen Statistiken deutscher Igelstationen. �brigens sind dies zu ?ganz normaler Zeit? geborene Tiere. 80% der Igel in Deutschland werden in August und September geboren, es gibt nur einen Wurf pro Jahr, das belegen mehr als 20j�hrige Datenerhebungen.
  • Igel, die bei Frost und/oder Schnee aktiv sind,
    sind meist bei Tag unterwegs, oft mager - evtl. ist ihr Nest zerst�rt.

Igel sind gesetzlich gesch�tzt! Lassen Sie Igel, die nicht hilfsbed�rftig sind, sofort wieder ? m�glichst am Fundort ? frei!

Kranke, verletzte und geschw�chte Igel sind auf fachm�nnische Hilfe durch den Tierarzt oder eine Igelstation angewiesen. Unterkunft und Nahrung allein helfen ihm nicht!

Unterbringung

Raum:
  • ruhig,
  • gut bel�ftbar,
  • Tageslichteinfall,
  • Zimmertemperatur (18-22�C).
Gehege:
  • nur ein Tier pro Gehege,
  • Gehege-Gr��e: ca. 2m�,
  • absolut ausbruchssicher (H�he der Seitenw�nde 45-50cm),
  • Material: leicht zu reinigen (beschichtete Span- oder Hartfaserplatten),
  • mit Boden zur W�rmed�mmung,
  • Bodenbelag: mehrere Lagen Zeitungspapier (kein Katzenstreu oder S�gemehl).
Schlafhaus:
  • Karton (30cm Kantenl�nge) oben zuklappbar mit seitlichem Schlupfloch.
Nistmaterial:
  • viel zerrissenes oder zerkn�lltes Zeitungspapier (kein Kleintierstreu, Heu o.�., keine Holzwolle oder Lappen).

Pflegebericht

  • Funddatum, -uhrzeit, -gewicht und genaue Fundstelle notieren.
  • Gewichtszunahmen sowie Tierarztbesuche und verabreichte Medikamente dokumentieren.

Nahrung

Die Gewichtszunahme sollte pro Woche 70-100g betragen.
Nahrungsmenge: 2 geh�ufte Essl�ffel f�r einen Igel von rund 500g, oder je Igel soviel Futter, wie in einen 150g Joghurtbecher passt.

Grundnahrung:
  • Katzen- oder Hundefeuchtfutter, Eier (hartgekocht oder R�hrei), Gefl�gelfleisch (gekocht), Rinderhackfleisch (kurz angebraten) ? alles ungew�rzt.
Ballaststoffe:
  • Pro Portion (Dose, Fleisch, Ei s.o.) 1-2 EL Haferflocken, Igeltrockenfutter oder 1 EL Weizenkleie untermischen.
Zahnpflege:
  • 1-2x w�chentlich gekochtes, enth�utetes H�hnerfleisch mit Knochen f�ttern.
Fl�ssigkeit:
  • Nur Wasser
  • Keine Milch!!

Winterschlaf

Igel sollten auch in menschlicher Obhut Winterschlaf halten, wenn sie wegen der fortgeschrittenen Jahreszeit nicht mehr ausgewildert werden k�nnen. Dazu sollten sie folgendes Gewicht erreicht haben:
  • Jungigel: 600-700g,
  • Altigel: 900-1000g.
Unterbringung:
  • �berwinterung bei Au�entemperatur (Balkon, Terrasse, Gartenhaus, Freigehege im Garten).
  • Schlafhaus in einen etwas gr��eren Karton oder in eine Holzkiste (Kantenl�nge: 40cm) mit deckungsgleichem Schlupfloch setzen, die Zwischenr�ume mit Zeitung ausstopfen.
  • T�gliche Kontrolle. Ist der Igel eingeschlafen, ein Blatt Toilettenpapier mit zwei St�ckchen Klebeband vor den Eingang kleben.
F�tterung:
  • Bis der Igel schl�ft normale F�tterung.
  • Schl�ft der Igel, Wasser und Trockenfutter (Notration) bereitstellen.

Aufwachen und Auswilderung

  • Auff�tterung des Igels bis zu dem Gewicht, das er vor seinem Winterschlaf hatte (idealerweise im Freigehege).
  • Bei aufgezogenen Jungigeln ist eine Gew�hnung an die Freiheit in einem Freigehege unumg�nglich.
  • Freilassung ab Mitte April bis sp�testens Mitte Mai (Bodenleben muss vorhanden sein) - abends und unbedingt am Fundort.
  • Wenn m�glich noch einige Tage zuf�ttern.

Aufzucht verwaister Igels�uglinge

Allgemeines:
  • Igelmuttermilch ist sehr fett- (25,5%) und eiwei�reich (16%) und enth�lt nur Spuren von Laktose (Trockensubstanz 45,2%).
  • Als Ersatz-Igelmuttermilch hat sich Esbilac� (Albrecht) bew�hrt ? pro Tag ca. 25% des K�rpergewichts (bis ca. 100g K�rpergewicht).
  • Die Igels�uglinge m�glichst fr�h an selbstst�ndige Futteraufnahme gew�hnen.
  • Keinesfalls Kuhmilch oder Ersatzmilchpr�parate f�r Menschen verwenden!
Ektoparasiten:
  • Die Parasiten manuell absammeln, Igels�uglinge weder baden, noch mit Insektiziden behandeln.
Unterbringung:
  • Pappkarton doppelt so gro� wie eine W�rmflasche oder ein K�fig mit hoher Bodenwanne
  • Eine handwarme W�rmflasche mit doppelt gefaltetem Handtuch und K�chenpapier bedecken. Die Igels�uglinge darauf betten und mit einem weiteren Handtuch zudecken.
  • Die andere H�lfte des Kartons bis auf das gleiche Niveau mit Zeitungspapier auslegen, als Ausweichbereich, falls es den Igeln zu warm wird.
  • Nach jeder F�tterung beschmutztes K�chenpapier, feuchte Handt�cher und das Wasser in der W�rmflasche auswechseln.
  • Auf Sauberkeit und Hygiene ist gr��ter Wert zu legen!
Markieren und wiegen:
  • Zur Unterscheidung der Igel, die Tiere mit pfenniggro�en Farbtupfern auf den Stachelspitzen an verschiedenen Stellen markieren (ungiftige Acrylfarbe, fl�ssiges Tipp-Ex, Nagellack).
  • Jeden Igel t�glich wiegen, m�glichst immer zur gleichen Zeit (morgens vor der 1. F�tterung) auf einer Digital-Briefwaage.
  • Gewicht im Pflegebericht notieren
F�tterung, Gewichtszunahme, Futtermenge:
  • Als Igelmuttermilch-Ersatz Esbilac� 1:2 mit unges��tem Fencheltee anr�hren.
  • Steht kein Igelmuttermilch-Ersatz zur Verf�gung max. 1 Tag nur Fencheltee f�ttern.
  • Futtermenge: In 24 Stunden 25% des K�rpergewichts. Bei Neugeborenen auf 10, bei Igeln mit 100g K�rpergewicht auf 5 Mahlzeiten verteilen.
  • Bis zu einem Alter von 14 Tagen (Augen �ffnen sich) auch nachts f�ttern.
  • Die Gewichtszunahme sollte bei Igeln unter 90g ca. 4-6g/Tag, bei Igeln �ber 90g ca. 9-11g/Tag betragen.
  • Ab ca. dem 19. Lebenstag beginnt die selbstst�ndige Aufnahme der Ersatzmilch (kleiner Teller, Dosendeckel). Nun mischt man Tatar (feingemahlenes Rinderhack ohne Sehnen) oder R�hrei in winzigen Mengen unter die Milch.
  • Die Menge der ?Feststoffe? und des Fencheltee-Anteils wird langsam gesteigert.
  • Im Alter von ca. 30 Tagen sollte die Umstellung auf zerkleinerte Festkost vollzogen sein.
Toiletting:
  • Solange die Igels�uglinge noch nicht selbstst�ndig fressen, muss vor und/oder nach jeder F�tterung Bauch und Afterbereich mit einem angefeuchteten Finger oder Wattest�bchen massiert werden bis Kot (kleine, gr�ne aneinanderklebende K�gelchen) und Urin ausgeschieden werden.
  • Futterreste, Kot und Urin werden mit angefeuchtetem Zellstoff abgetupft und die Haut mit etwas Baby�l eingerieben (auch vor dem Toiletting).

Ziel jeder Pflege muss es sein, den Igel zur Wiedereingliederung in die Natur zu bef�higen!

Pro Igel e.V.:

  • Hotline: 0180-5555-9551 (EMTEX 12 Cent die Minute)
  • Gesch�ftsstelle: 0180-5555-9555 (EMTEX 12 Cent die Minute)
  • Faxabruf: 0180-5555-9554 (EMTEX 12 Cent die Minute)
  • Internet: www.Pro-Igel.de
Bei der Igel-Hotline lassen sich rund um die Uhr jahreszeitlich aktuelle Informationen �ber Igel und Erste-Hilfe-Ratschl�ge abrufen (Ansagedauer: 5 Minuten). Kurzinformationen gibt es auch per Faxabruf.

Nicht jeder Igel braucht Hilfe,
aber jede Hilfe muss richtig sein!

Dies ist ein Service von Vetion.de und Pro Igel e.V.

Gesetze und Verordnungen

Gesetze und Verordnungen

Quelle

Fassung vom

Medien

Igel in der Tierarztpraxis
von Tanja Wrobbel,
Pro Igel, M�nster/Westf. , 9. Aufl. 2022

Vor allem im Herbst werden vermehrt Igel der Tier�rztin bzw. dem Tierarzt vorgestellt. Dann ist es von Vorteil, zumindest einige Kenntnisse �ber Igel zu besitzen und eine Grundlegende Untersuchung durchf�hren und bei Bedarf auch einige Behandlungen vornehmen zu k�nnen. Da Igel jedoch bei der tier�rztlichen Ausbildung nicht ber�cksichtigt werden, verf�gen viele Tier�rztInnen �ber dieses Fachwissen nicht. Dank dem Fachbuch der Kollegin Tanja Wobbel und dem Verein ProIgel e.V., k�nnen Sie sich dieses jedoch gut aneignen. Das Buch steht auch als pdf-Version zum Download zur Verf�gung. Im Jahr 2022 ist die 9., aktualisierte Ausgabe erschienen.

Inhalt & Bestellung


Parasitosen und Mykosen des Igels
von Dora Lambert,
Pro Igel, M�nster/Westf., 3. Aufl. 2022

Dora Lambert, langj�hriges Mitglied und Beirat bei Pro Igel e.V. f�r den Themenkomplex Igelparasiten, hat sich �ber viele Jahre darum verdient gemacht, die Identifikation von Igelparasiten und de Nachweis von Parasiten beim Igel durch eine Bildersammlung f�r jedermann schl�ssig und verst�ndlich zu dokumentieren. Mit akribischer Sorgfalt hat sie das Bildmaterial zusammengetragen und immer wieder erg�nzt und detailliert beschrieben.

Inhalt & Bestellung