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Veterinärbehörden geraten wegen ASP zunehmend an ihre Grenzen

31. Juli 2024

In Deutschland ist der Mangel an Tierärzt:innen trotz verschiedener Maßnahmen noch immer stark zu spüren. Durch die aktuelle Häufung von Ausbrüchen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) geraten die Veterinärbehörden zunehmend an ihre Grenzen. In den Veterinärverwaltungen, Laboren und den zuständigen Stellen der Bundeswehr führt die prekäre Tierseuchensituation zu einer zusätzlichen personellen Belastung, die kaum zu stemmen ist. 

Die Bundestierärztekammer (BTK) weist erneut auf diese Problematik hin und warnt vor einer Eskalation. „Die gegenwärtige ASP-Situation in den angrenzenden Bundesländern zu Polen und die ASP-Einträge in Schwarzwild und Hausschweinebestände in Hessen und Rheinland-Pfalz verlangen u. a. den Veterinärämtern höchste Einsatzbereitschaft ab, um den Seuchenzug einzudämmen, aufzuhalten und das Ziel der Seuchentilgung zu erreichen“, mahnt der BTK-Präsident Ltd. VD Dr. Holger Vogel. „Personelle Entlastungen sind unverzüglich sicherzustellen – sowohl in den Grenzbundesländern als auch in den Bundesländern mit Solitäreinträgen. Auch die Bereitstellung der erforderlichen Finanzmittel in der aktuellen Phase der Ausbreitung ist zwingend erforderlich“, erklärt Vogel.

Bereits vor sechs Jahren hatte der Deutsche Tierärztetag die Landesregierungen aufgefordert, länderübergreifende, verbindliche Leitlinien für die personelle Ausstattung der Veterinär- und Untersuchungsämter zu erarbeiten und deren Umsetzung durch die Länder vollständig zu finanzieren. Es muss dafür Sorge getragen werden, dass die staatlichen Untersuchungseinrichtungen den Herausforderungen der Zukunft gewachsen sind, insbesondere durch eine angemessene Ausstattung mit qualifiziertem Personal.

BTK

Igel schon bald vom Aussterben bedroht?

31. Juli 2024

Eigentlich haben Igel keine großen Ansprüche. Doch Hecken, Büsche und Gehölze, in denen die Wildsäuger ihre natürliche Nahrung finden, werden in der Landschaft und den Gärten Deutschlands immer seltener. Versiegelungen von Vorgärten sowie Mauern und enge Drahtgitterzäune sowie Monokulturen und aufgeräumte Kulturlandschaften machen den Igeln das Leben schwer, wie Heike Philipps, die Vorsitzende des bundesweit tätigen Vereins Pro Igel e.V., erklärt.

Braunbrustigel siedeln sich immer mehr in den Parks der Städte und in den Gärten an. Da diese wichtigen Rückzugsgebiete aber immer kleiner werden und die menschgemachten Gefahren hingegen größer, verschwinden die Igel nach und nach. Neben Mährobotern, die meist nachts in Betrieb sind, führen auch freilaufende Hunde, Autos und Zäune zu unzähligen, teils schweren Verletzungen bei den Igeln. Zudem sorgt auch der Insektenschwund für weniger Nahrung. Finden Igel nicht ausreichend Nahrung oder Wasser und sind ständig Störungen ausgesetzt, würden sie in der Folge abwandern. Doch auch Abwanderung sei nicht die Lösung, wie Philipps sagt: „Es gibt für den Igel kaum Ausweichmöglichkeiten und auf der Suche nach einem lebenswerten Raum zum Leben sind sie großen Gefahren ausgesetzt.“

Aktuell steht der Braunbrustigel auf der Vorwarnliste der Roten Liste der Säugetiere. Auf der Seite der Deutschen Wildtierstiftung heißt es jedoch, dass der Igel bei gleichbleibendem negativem Einfluss des Menschen wohl in naher Zukunft in die Kategorie gefährdet hochgestuft werden müsse. Um den Wildsäugern zu helfen, reichen bereits kleine Maßnahmen aus. Schon das Belassen von Laubhaufen und anderen Verstecken, der Verzicht von Insektiziden und Rattengift oder das Ausschalten von Mährobotern bei Nacht würden das Leben der Igel verbessern. Ändert sich hingegen nichts, wird diese bekannte Tierart weiterhin schleichend aus unserem Ökosystem verschwinden.

„Wenn wir Menschen jetzt nicht die Lebensräume des Igels aufwerten und öffnen, verschwindet der Igel genauso wie die Singvögel in den 80er Jahren. ‚Verschwinden‘ ist sicher als die weichere Variante der Formulierung ‚Aussterben‘ zu interpretieren. Wir sollten die Warnungen daher ernst nehmen und etwas tun, denn: Der Igel hat keine Zeit mehr“, betont Heike Philipps abschließend.

Da Igel auch immer häufiger in den Tierarztpraxen vorgestellt werden, können sich Tierärzt:innen mit dem Einsteigerkurs Igel auf Myvetlearn.de online fortbilden. In dieser Online-Fortbildung geht es um den Igel als Patienten in der Tierarztpraxis. Um Wildtiere in der Praxis geht es auch in der gleichnamigen, ATF-anerkannten E-Learningreihe auf Myvetlearn.de, bei der sich Tierärzt:innen online fortbilden können. Denn gerade im Sommer werden immer häufiger verletzte Wildtiere in die Tierarztpraxen gebracht. In einer separaten Reihe können sich auch Tiermedizinische Fachangestellte zum Thema Aufzucht, Pflege und Behandlung von Wildtieren online fortbilden. Beide Kursreihen enthalten zudem zahlreiche interaktive Elemente, die einerseits den Spaß steigern und andererseits die Bearbeitung der Inhalte intensivieren.

Come-on.de

ASP-Ausbruch in weiterem hessischen Schweinebetrieb

30. Juli 2024

In Hessen im Landkreis Groß-Gerau ist in einem weiteren Betrieb die Afrikanische Schweinepest (ASP) festgestellt worden. Der betroffene Betrieb liegt in Trebur und hält etwa 1.800 Hausschweine. Diese müssen nun aus tierseuchenrechtlichen Gründen alle getötet werden. Damit sind bereits acht Betriebe im Kreis Groß-Gerau betroffen. Der erste ASP-Fall in Hessen war Mitte Juni 2024 bei einem Wildschwein im Kreis Groß-Gerau festgestellt worden. Seitdem findet in der Region eine großangelegte Kadaversuche statt. Mittlerweile wurden bereits 107 Kilometer sogenannter taktischer Elektrozäune aufgestellt. Diese sollen die Wanderung infizierter oder erkrankter Tiere verhindern. Rund 29.000 Hektar Fläche wurden bisher von Kadaversuchhunden und Drohnen abgesucht. Bislang wurden dabei 72 positive Fälle entdeckt.

Landwirtschaftsministerium Hessen

Katzenelend in Deutschland nimmt zu

30. Juli 2024

Am 8. August wird jedes Jahr weltweit der Tag der Katze gefeiert. Aus diesem Anlass weist der Deutsche Tierschutzbund erneut auf das Leiden von Millionen Straßenkatzen in Deutschland hin. Zudem werden die hierzulande am häufigsten gehaltenen Haustiere immer öfter Opfer von Tierquälerei. Um das bundesweite Ausmaß des Katzenelends sichtbar zu machen, hat der Tierschutzbund die Kampagne „Jedes Katzenleben zählt“ ins Leben gerufen.

„Eines der größten unbemerkten Tierschutzprobleme ist das Leid der Millionen Straßenkatzen in Deutschland. Sie leben versteckt und zurückgezogen auf verlassenen Grundstücken, Industriegeländen oder in Schrebergärten. Täglich müssen sie um ihr Überleben kämpfen“, erklärt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Aber auch Katzen, die in Haushalten leben, führen nicht unbedingt immer ein gutes Leben. Nach Informationen der Tierschützer:innen werden zahlreiche Katzen Opfer von Tierquälerei oder Tötungen, häufiger als alle anderen Tierarten. Katzen werden häufig ausgesetzt und sich selbst überlassen, nicht artgerecht gehalten, geschlagen und getreten oder sogar vergiftet.

In den Tierheimen landeten in den vergangenen 12 Monaten mehr Katzen als in den Jahren davor. Die Gründe liegen einerseits an den Folgen des Corona-bedingten Haustierbooms, andererseits pflanzen sich unkastrierte Freigängerkatzen aus Privathaushalten und Straßenkatzen unkontrolliert fort.

„Vermehrt geben Katzenhalter, die ihre Tiere unüberlegt angeschafft haben, diese in Tierheimen ab oder setzen sie aus. Auch uns erreichen täglich Anfragen von Menschen, die ihre Katze wieder loswerden möchten. Immer wieder finden Tierschützer zudem verwaiste Kitten von Straßenkatzen“, berichtet Dr. Dalia Zohni, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Jede Straßenkatze stammt dabei ursprünglich von einer unkastrierten Hauskatze ab, die Freigang hat, aber nicht kastriert ist. Um das Leid der Straßenkatzen zu minimieren und zukünftiges Leid zu verhindern, fordert der Deutsche Tierschutzbund eine bundesweite Kastrationspflicht für Freigängerkatzen, wie sie einige Gemeinden bereits eingeführt haben.

Deutscher Tierschutzbund

Alarmierender Anstieg von Vogelgrippefällen bei Menschen  

30. Juli 2024

Die zunehmende Verbreitung des hoch pathogenen Vogelgrippevirus H5N1 stellt ein erhebliches Risiko für die öffentliche Gesundheit dar. Insbesondere das Potential der Viren, sich unter verschiedenen Tierarten zu verbreiten, lässt weltweit die Sorge um eine künftige Pandemie wachsen.

In Asien nimmt die Zahl der infizierten Menschen aktuell besorgniserregend zu, wie die Welternährungsorganisation (FAO) mitteilt. Seit Ende 2023 wurden 13 Fälle in Kambodscha gemeldet, weitere aus China und Vietnam. Hinzu kommt, dass das H5N1-Virus neue Wild- und Haustierarten infiziert hat, darunter Aasfresser, Meeressäuger, fleischfressende Haustiere, Säugetiere, die als Pelztiere gezüchtet werden, und seit kurzem auch Wiederkäuer wie Milchkühe. Das Auftreten neuer A/H5N1-Stämme, die leichter übertragbar sind, erhöht die Pandemie-Gefahr, warnt das FAO-Notfallzentrum für grenzüberschreitende Tierkrankheiten (ECTAD) in Südostasien. Die Organisation ruft daher zu dringenden regionalen Anstrengungen auf, um den Anstieg der Vogelgrippefälle zu bekämpfen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ein Projekt gestartet, das zum Ziel hat, Menschen in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen, Zugang zu hochwertigen und erschwinglichen Medikamenten zu verschaffen. Auf Basis der mRNA-Technologie, die während der Corona-Pandemie zur Entwicklung von Impfstoffen in Rekordzeit beigetragen hat, soll ein Impfstoffkandidat des argentinischen Herstellers Sinergium Biotech nun mit Unterstützung der WHO und der Organisation Medicines Patent Pool (MPP) weiter entwickelt werden. Das gemeinsam von der WHO und dem MPP entwickelte mRNA-Technologietransferprogramm wurde im Juli 2021 mit dem Ziel ins Leben gerufen, in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen (LMICs), Kapazitäten für die Entwicklung und Produktion von mRNA-basierten Impfstoffen aufzubauen.

„Diese Initiative ist ein Beispiel dafür, warum die WHO das mRNA-Technologietransferprogramm ins Leben gerufen hat - um Forschung, Entwicklung und Produktion in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen zu fördern, damit die Welt bei der nächsten Pandemie besser vorbereitet ist, um eine wirksamere und gerechtere Reaktion zu ermöglichen“, sagt WHO-Generaldirektor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Die FAO mahnt Regierungen, internationale Organisationen sowie den privaten Sektor zu einer intensiveren Zusammenarbeit und einem transparenten und zeitnahen Informationsaustausch an, um wirksame Eindämmungsstrategien zu entwickeln. Die Stärkung der Biosicherheitsmaßnahmen in der Geflügelindustrie sei zwingend erforderlich, einschließlich Impfstrategien und Förderung guter landwirtschaftlicher Praktiken, heißt es weiter.

Mit der regelmäßigen Überprüfung der Biosicherheitsmaßnahmen in den Betrieben befasst sich auch die 7-teilige Online-Fortbildungsreihe Biosicherheit in der tierärztlichen Bestandsbetreuung von Myvetlearn.de. Diese bietet Tierärzt:innen in allgemeinen und tierartspezifischen Kursen fundiertes Wissen zu den Hygiene- und Biosicherheitsmaßnahmen in Beständen verschiedener Tierarten (Rind, Schwein, Geflügel, Pferd). In Kurs 5 der Reihe geht es um Maßnahmen und Hinweise zur Biosicherheit für Geflügelbestände. Ein kostenfreies Impulsreferat zur Bedeutung der Maßnahmen dient als Einführung.

WHO

FAO

Noch mehr ASP-Fälle in Hessen

29. Juli 2024

In Hessen breitet sich die Afrikanische Schweinepest (ASP) weiter aus. Nachdem die Tierseuchen in der vergangenen Woche in drei Betrieben im Kreis Groß-Gerau mit 9, 33 bzw. 158 Hausschweinen festgestellt worden war, erging ein positiver Nachweis westlich der Gemeinde Einhausen im Landkreis Bergstraße. Ein dort ansässiger Landwirt hatte den Wildschweinkadaver zufällig am Rande eines seiner Felder gefunden. Das hessische Landeslabor hat den Anfangsverdacht bestätigt, eine Bestätigung durch das Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) steht noch aus. Trotzdem haben die zuständigen Behörden sofort reagiert und eine Reihe notwendiger Maßnahmen eingeleitet.

So gehören nun große Teile des Landkreises Bergstraße zu den Sperrzonen I und II. Zudem wird erstmals auch die Landesgrenze nach Baden-Württemberg überschritten, auch wenn in dem Bundesland bisher noch keine ASP-Fälle aufgetreten sind. Auch die Kadaversuche wird ausgeweitet. In den kommenden Tagen sollen die Regionen entlang beider Seiten der Landesgrenze mit Hilfe von Drohnen und Hundeteams abgesucht werden. Ziel ist es, schnellstmöglich einen möglichen Eintrag festzustellen. Um eine weitere Ausbreitung der ASP zu vermeiden, soll zudem die Fortführung des Zaunes entlang des Rheins zwischen Gernsheim und Maulbeeraue sowie entlang der Autobahn 67 in Ost-West Ausrichtung vorangetrieben werden. 

Landwirtschaft Hessen

Landwirtschaft Hessen

Beleg für H5N1-Übertragung von Säugetier zu Säugetier erbracht

29. Juli 2024

Seit dem ersten H5N1-Ausbruch bei Milchkühen in den USA im März 2024 haben US-Behörden in bisher 13 Bundesstaaten 140 infizierte Herden festgestellt. Das US-amerikanische Landwirtschaftsministerium hält dennoch das Ansteckungsrisiko für Menschen, die nicht im direkten Kontakt mit infizierten Tieren stehen, für gering.

Forschende der Cornell University in Ithaca (Bundesstaat New York) konnten in einer aktuellen Studie nun jedoch belegen, dass die H5N1-Viren des Genotyps B3.13 das Potenzial haben, von einer Säugetierart auf eine andere über zu springen. Wie das Forscherteam in der Fachzeitschrift Nature schreibt, konnte das Geflügelpestvirus in toten Katzen sowie einem toten Waschbär nachgewiesen werden. Die Katzen waren mit roher Milch von infizierten Kühen gefüttert worden. Auch der tote Waschbär auf einer Farm könnte solche Milch getrunken haben. Der Befund ist daher ein weiterer Beleg, dass neben einer Ansteckung über die Atemwege auch eine über die Milch und die Euter stattfinden kann, etwa über nicht gut genug gereinigte Melkmaschinen, heißt es.

„Dies ist eines der ersten Male, dass wir Beweise für eine effiziente und anhaltende Übertragung der hoch pathogenen Vogelgrippe H5N1 von Säugetier zu Säugetier sehen“, sagte Diego Diel, außerordentlicher Professor für Virologie in der Abteilung für Populationsmedizin und diagnostische Wissenschaften und Direktor des Virologielabors im Animal Health Diagnostic Center (AHDC) an der Hochschule für Veterinärmedizin.

Die Sequenzierung des gesamten Genoms des Virus ergab keine Mutationen im Virus, die zu einer verbesserten Übertragbarkeit von H5N1 auf den Menschen führen würden, obwohl die Daten eindeutig eine Übertragung von Säugetier zu Säugetier zeigen, was besorgniserregend ist, da sich das Virus in Säugetieren anpassen kann, so der Forscher.

Cornell University

Topagrar

Unmissverständliche Kommunikation über Klimawandel notwendig

29. Juli 2024

Die bisherige Kommunkation über die drohenden Folgen des Klimawandels in Deutschland ist zu wissenschaftlich und wird daher von Laien oft missverstanden. Zudem zeigt die häufig euphemistische und technisch-jargonhafte Sprache nicht immer die notwendige Dringlichkeit auf. Das ist das Ergebnis einer Studie der Freien Universität (FU) Berlin.

In der Studie "A medical language for climate discourse" beschreibt der Neurolinguistiker Dr. Bálint Forgács, warum die in der öffentlichen Debatte meist verwendeten Begriffe wie „Globale Erwärmung“, „Treibhauseffekt“ oder „Klimakatastrophe“ nicht die nötige Dringlichkeit vermitteln. „Eines der zentralen Probleme der derzeitigen Klimakommunikation besteht darin, dass sie die Ernsthaftigkeit des Problems nicht zum Ausdruck bringt. Die Sprache selbst stellt ein Hindernis für eine offene gesellschaftliche Debatte und die notwendigen politischen und rechtlichen Regelungen dar“, so Forgács. Der FU-Wissenschaftler schlägt daher eine medizinische Terminologie als neue Methode zur Klimakommunikation vor, um in öffentlichen Debatten zu produktiveren politischen Lösungen zu kommen und um dem nicht-wissenschaftlichem Publikum die Schwere der Klimakrise näher zu bringen.

Forgács hebt hervor, dass die aktuelle Klimasprache oft positive Emotionen (z.B. „grün“, „öko-freundlich“) oder passive Töne (z.B. „Katastrophe“, „Krise“) verwendet, die die Dringlichkeit der Situation abschwächen. Der Einsatz einer negativeren (z.B. „globale Überhitzung“, „globale Verbrennung“), aktiveren (z.B. „Klimazerstörung“, „Klimaselbstmord“) und direkteren Sprache (z.B. „Hochofeneffekt“) könnte die Öffentlichkeit und politische Entscheidungsträger dazu motivieren, effektiver zu handeln. Durch die Verwendung medizinischer Begriffe, wie beispielsweise „Metastasen“, könnten Klimafragen in einem Kontext zeigen, der lebensrettende Maßnahmen betont und eine ernstere und dringlichere Reaktion hervorruft.

„Die Einführung einer medizinischen Sprache in der Klimakommunikation könnte einen Paradigmenwechsel darstellen. Dieser Ansatz könnte helfen, die Ernsthaftigkeit der Klimakrise klarer zu kommunizieren und eine breitere Akzeptanz für notwendige Maßnahmen zu schaffen“, betont Forgács.

FU Berlin

Pferdezüchter unter Druck

26. Juli 2024

Die Pferdezucht in Mecklenburg-Vorpommern steht aktuell vor großen Problemen. Den rund 2.000 Züchter:innen in dem Bundesland bereitet neben den gestiegenen Kosten für Energie, Futter und Einstreu besonders die erhöhte Gebührenordnung der Tierärzt:innen (GOT) große Sorgen. Viele denken über einen Ausstieg aus der Zucht nach, wie der NDR berichtet. Der Pferdeverband Mecklenburg-Vorpommern erwartet einen Rückgang der Zuchttiere bis zu 15 Prozent.

„Die Zucht lohnt sich nicht mehr", sagt auch Pferdezüchterin Katrin Ringelmann, die selbst als Tierärztin arbeitet und die GOT-Erhöhung verteidigt: „Die Ärzte müssen auch leben und wir müssen unser Personal bezahlen. Die werden nach Tarif bezahlt, das ist auch teurer geworden. Die Gebührenordnung musste leider sein." Auch sie spielt mit dem Gedanken, mit der Zucht aufzuhören.

Karoline Gehring, Zuchtleiterin und Geschäftsführerin im Pferdezuchtverband MV, bedauert die aktuelle Entwicklung sehr, da in der Zucht auch die große genetische Rassenvielfalt verloren geht, wenn bestimmte gute Zuchtstuten nicht mehr belegt werden.

„Das hat keinen Sinn mehr, mit Stuten weiter zu züchten, die vielleicht Fruchtbarkeitsprobleme haben, wo dann eben qualitätsseitig nicht das rauskommt, was man sich verspricht. Und für gute Qualität findet man auch Kunden", erklärt Zuchtrichter Jörg Weinhold, der zu mehr Qualität statt Quantität rät.

Tierärztinnen und Tierärzten steht auf Myvetlearn.de eine 4-teilige Online-Fortbildung mit ATF-Anerkennung zum Thema Reproduktionsmedizin Pferd zur Verfügung. Diese Kurse sind zusätzlich mit interaktiven Übungsaufgaben für mehr Spaß am Lernen ausgestattet.

NDR

Geier für menschliche Gesundheit unerlässlich

26. Juli 2024

Eine stabile Population von Geiern kann lebensgefährliche Krankheiten verhindern. Das ist das Ergebnis einer umfassenden Studie, die die Umweltökonomen Anant Sudarshan von der University of Warwick (Großbritannien) und Eyal Frank von der University of Chicago (USA) durchgeführt haben. Millionen von Geiern verendeten in den 90er Jahren durch Diclofenac, das die Bauern für ihre Kühe und andere Nutztiere als schmerz- und entzündungshemmendes Mittel eingesetzt hatten. Fraßen Geier später diese Tiere, in denen noch Spuren von Diclofenac waren, zerstörte das ihre Nieren und die Vögel verendeten. Die Zahl der Geier in Indien verringerte sich von etwa 50 Millionen auf heute etwa hunderttausend Exemplare. Die Wissenschaftler konnten am Beispiel Indien belegen, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Verschwinden der Aasfresser und der Häufung von Todesfällen bei Menschen gibt.

100.000 zusätzliche Tote durch Geiersterben allein in Indien

Als Folge des gewaltigen Massensterbens der Geier in Indien ist die Zahl der Todesfälle bei Menschen in den betroffenen Gebieten dramatisch angestiegen. Die beiden Forscher berechneten anhand von Bevölkerungsdaten, dass das Verschwinden der Geier jährlich mehr als 100.000 zusätzliche Tote verursachte. In ihren umfassenden Untersuchungen konnten sie belegen, dass Geier die Verbreitung von Krankheitserregern effektiv unterbinden, da sie außer Knochen nichts von den Kadavern übrig lassen. Straßenhunde und Ratten konnten die massive Abnahme der Geierpopulation nicht kompensieren, da diese bestimmte Teile des Kadavers übriglassen. Zudem hat das größere Futterangebot dazu geführt, dass ihre Population wuchs, und damit auch das Risiko der Tollwutübertragung auf den Menschen. „Die Viehzucht wird ebenfalls zu einer Quelle der Wasserverschmutzung, wenn die Landwirte die toten Tiere selbst entsorgen müssen“, schreiben die beiden Autoren im Fachblatt „American Economic Review“ weiter. Denn die Landwirt:innen entsorgten die zahlreichen Kadaver von Kühen und Rindern oft einfach in Flüssen und Seen, da das Geld für eine andere Form der Entsorgung schlichtweg fehlte.

Erst 2004 wurde der Zusammenhang mit Diclofenac erkannt. Doch trotz des Verbots wird das Medikament von einigen Bauern weiter bei Tieren eingesetzt. Inzwischen kommen in Indien noch neun Geierarten vor, von denen drei Arten heute als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft werden. Nach Angaben von Sudarshan und Frank ist noch nie in der Menschheitsgeschichte eine Vogelart so schnell dezimiert worden. Da auch in vielen Teilen Afrikas bzw. in anderen Regionen zahlreiche Geier durch Diclofenac gefährdet sind, mahnt Sudarshan zu schnellem Handeln.   

Generell regen die beiden Autoren in ihrer Studie an, dass sich die Menschheit entscheiden solle, um welche Tiere sie sich kümmern will. Derzeit würde jede Menge Geld ausgegeben, um besonders süße oder besonders prächtige Tiere zu schützen, so Sudarshan. Dazu gehörten Pandabären oder Tiger. „Wir sagen nicht, dass das schlecht ist, aber wir wollen darauf hinweisen, dass das Wohlergehen des Menschen mit dem anderer Arten in einer Wechselbeziehung steht.“ Es gebe einige Schlüsselarten im Ökosystem, die auch für die Gesundheit und Sicherheit der Menschen besonders zentral seien.

Tagesspiegel