13.06.2019: Das Kuscheltierdrama oder auch ein Appell an Tierliebe, Menschlichkeit und Vernunft


Das Kuscheltierdrama oder auch ein Appell an Tierliebe, Menschlichkeit und Vernunft

Ein kleines Mädchen kommt vor vielen Jahren mit ihrem Chinchilla in die Tierarztpraxis. Der Tierarzt kann jedoch leider nur noch den Tod des Tieres feststellen. Das kleine Mädchen ist untröstlich, hat es doch so gern mit dem Chinchilla geschmust und geküsst. Bei dem Versuch herauszufinden, was passiert sein könnte, wie die Vorgeschichte verlaufen ist, entdeckt der Tierarzt Herpesbläschen am Mund des Kindes. Damit ist für den Tierarzt der rätselhafte Tod des Tieres gelöst. Herpes simplex stellt für Nagetiere eine tödliche Gefahr dar (HSV- Enzephalitis).

In diesem Fall hat das kleine Mädchen den Tod seines Kuscheltieres selbst verursacht – unwissentlich natürlich.

Der Tierarzt war Dr. Achim Gruber. Damals noch als praktizierender Tierarzt tätig, bevor er beschloss, sich zum Tierpathologen weiterzubilden, um noch viele rätselhafte Todesfälle aufzudecken und durch die Untersuchung von Gewebeproben bei der Diagnostik auch zur Behandlung erkrankter Tiere beitragen zu können. Denn indem wir immer enger und intensiver mit unseren Haustieren zusammenleben, werden sie häufig auch immer mehr zu einem Partner- oder Kinderersatz. Das bedeutet, unsere Haustiere werden zwar mehrheitlich sehr gut behandelt, aber auch zunehmend vermenschlicht.

Diese Vermenschlichung birgt sowohl Gefahren für den Menschen in Form von Zoonosen, aber auch für unsere Haustiere in Form von Anthropozoonosen, also einer Übertragung von Krankheiten vom Mensch auf das Tier. Das bedeutet, von unserer übertriebenen Tierliebe geht eine Gefahr für das Tier aus.

Dies geht bereits bei zu viel Fressen und zu vielen Leckerchen los, da Übergewicht das Risiko für Diabetes mellitus sowie für Gelenkserkrankungen erhöht. Aber auch die Anschaffung einer Qualzucht unterstützt das Tierleid, denn der Mops leidet beispielsweise, wenn ihm aus seinem niedlichen Kindergesicht die Augen aus den Höhlen fallen, oder er aufgrund seiner weggezüchteten Schnauze keine Luft bekommt, wenn er lediglich 2 Meter gelaufen ist. Auch hierüber ist sich die Mehrheit der Halter solcher Qualzuchten nicht bewusst, weshalb Aufklärung dringend notwendig ist.

Achim Gruber beschreibt in seinem Buch und verschiedenen Interviews in einer unterhaltsamen und anschaulichen Art und Weise verschiedene Fälle übertriebener Tierliebe und plädiert dafür, Tiere nicht zu vermenschlichen, denn wahre Tierliebe heißt, das Tier Tier sein zu lassen.

Fazit
Ein überaus kurzweiliges Buch und ein Plädoyer für eine gute und richtige Sache, die alle Mitarbeiter in der Tierarztpraxis unterstützen und an die Halter herantragen können.
Lesens- und empfehlenswert und vielleicht sogar ein Verkaufsschlager im Wartezimmer?

Bibliographie
Das Kuscheltierdrama
Ein Tierpathologe über das stille Leiden der Haustiere
Achim Gruber
Droemer Verlag 2019
ISBN 978-3-426-27781-2
Verkaufspreis: 19,99 €


Links / Literatur
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Bearbeitet von:
Dr. Julia Henning
Vetion - Team
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