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Gute Stimmung und große Zufriedenheit auf dem bpt-Kongress 2016 vom 29.11.2016


Es herrschte durchweg fröhliche Stimmung auf dem bpt Kongress 2016 in Hannover


Die Industrieausstellung war gut besucht, die rund 160 Ausstellerfirmen waren zufrieden.


Andreas Moll von Mollmedia hatte wie immer viel Spaß!

Parallel bzw. im Anschluss an die EuroTier in Hannover hat vom 17.-19. November 2016 der diesjährige Kongress des Bundesverbands praktizierender Tierärzte (bpt) stattgefunden. Insgesamt reisten 2586 Tierärztinnen und Tierärzte zu dieser Veranstaltung an, worüber die Veranstalter sehr zufrieden waren. Hinzu kamen noch die Referenten und Gäste sowie am Samstag, dem TFA-Tag, auch noch die Tiermedizinischen Fachangestellten. An der zugehörigen Industrieausstellung am Freitag und Samstag beteiligten sich 160 Austellerfirmen.

Neben den Fachvorträgen zu verschiedenen Themenblöcken und Tierarten gab es zudem am Donnerstag noch ein vielfältiges berufspolitisches und weiteres Seminarangebot, so dass für jeden etwas dabei war. Die Get-together-Party in der Münchner Halle war bis zum letzten Platz ausverkauft und die Band heizte den Tierärztinnen und Tierärzten und jungen Studierenden ordentlich ein und brachte den Saal bis weit nach Mitternacht zum Kochen.

Zuvor hielt jedoch noch bpt-Präsident Siegfried Moder eine Begrüßungsansprache, bei der er das ganze Organisationsteam auf die Bühne bat und sich herzlich für den geleisteten Einsatz bedankte. Diese Geste wurde von vielen im Saal sehr positiv aufgenommen.

Wie lassen sich die Arbeitsbedingungen für angestellte Tierärzte/innen weiter verbessern?

Neben dem Fachprogramm haben auf dem bpt-Kongress auch berufspolitische Podiumsdiskussionen Tradition. In diesem Jahr stand im Fokus der Diskussion am Freitag in der Mittagspause die Frage: Wie lassen sich die Arbeitsbedingungen für angestellte Tierärzte/innen weiter verbessern?

Um dies zu diskutieren, hatte der bpt unter Moderation des Geschäftsführers Heiko Färber, folgende sechs Gäste eingeladen:

  • Johanna Kersebohm, Doktorandin an der FU Berlin
  • Dr. Uta Seiwald, angestellte Tierärztin in einer Rinderpraxis und Mitglied des bpt-Arbeitskreises
  • Dr. Carsten Vogt, niedergelassener Pferdepraktiker und Mitglied des bpt-Arbeitskreises
  • Nikolas Haas, Regionalmanager Anicura
  • Dr. Christian Wunderlich, 1. Vorsitzender des Bundes angestellter Tierärzte (BaT) 
  • Florian Diel, Präsident des BVVD

Einige erreichen nicht mal den Mindestlohn

Den Anfang machte Frau Kersebohm, indem sie die wichtigsten Thesen ihrer Doktorarbeit wieder gab, für die sie die Daten von 1.200 Tierärztinnen und Tierärzten aus einer durchgeführten Umfrage unter angestellten Kolleginnen und Kollegen ausgewertet hat. Demnach verdienen angestellte Tierärzte rund 1.300 Euro weniger als die vergleichbare Bevölkerungsgruppe. Im Durchschnitt waren es monatlich etwa 3.000 Euro brutto/Monat. Außerdem verdiente laut Umfrageergebnissen jeder 10. sogar nicht einmal den Mindestlohn, wie Frau Kersebohm berichtete. Hier waren vor allem die befragten Pferdepraktiker, Berufsanfänger sowie Uni-Angestellten betroffen.

50 Wochenarbeitsstunden oder mehr sind die Regel

Neben einem meist geringen Gehalt arbeitete die Mehrzahl der Befragten auch mehr als 40 Stunden pro Woche und damit deutlich mehr als die Normalbevölkerung. Laut Kersebohm umfasste die Vollzeitarbeitswoche im Mittel 50 Stunden, bei Pferdepraktikern und Mitarbeiter in privaten Kliniken liege der Mittelwert sogar bei 55 Stunden/Woche. Zulässig sind laut Arbeitszeitgesetz jedoch lediglich 8, in geregelten Ausnahmefällen 10 Stunden täglich, die dann jedoch im Rahmen der Gesamtarbeitszeit vom Arbeitgeber ausgeglichen werden müssen.

Besonders negativ schlagen sich auf das Gehalt die vielen, in der Regel unbezahlten Überstunden nieder. Dies liegt zum Teil auch daran, dass Arbeitszeiterfassung in der Praxis eine Seltenheit darstellt.

„So wie es jetzt ist, ist der Beruf nicht zukunftsfähig“

Dr. Christian Wunderlich, 1. Vorsitzende des BaT, bezeichnete die Arbeitsbedingungen in der anschließenden Diskussion „zum größten Teil dramatisch“. Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz seien an der Tagesordnung und es gebe diesbezüglich von Seiten der Inhaber kein Unrechtsbewusstsein. Auch Arbeitsverträge sind immer noch nicht der Standard. Dies sei eine schlechte Gesamtsituation, sowohl für Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber. „So wie es jetzt ist, ist der Beruf nicht zukunftsfähig.“ Die Einstellung vieler älteren Kollegen „Das war schon immer so“ sei ein wesentlicher Grund für die gegenwärtig so gespannte Situation. Hinzu kommt, dass den Angestellten häufig die Anerkennung von Seiten des Arbeitgebers fehlt und die Kommunikation innerhalb des Teams zu wünschen übrig lässt.

„Die neue Generation Y hat gar keine Lust, sich selbstständig zu machen“

Diese Kenntnis hatte auch Frau Kersebohm, die in der Umfrage herausfand, dass die mangelnde Anerkennung durch den Arbeitgeber bei den angestellten jungen Tierärztinnen für die größte Unzufriedenheit sorgt, während die angestellt arbeitenden Tierärzte vor allem das schlechte Gehalt beklagen. Demnach würden 35% der befragten angestellten Tierärzte nach Betrachtung der Gesamtsituation den Beruf nicht nochmal ergreifen.

Zudem äußerte ein großer Teil der Befragten demnach große Unzufriedenheit mit ihrem Leben aufgrund der negativen Arbeitsbedingungen. „Wir müssen akzeptieren, dass wir nur gute und qualitativ hochwertige tiermedizinische Arbeit leisten können, wenn wir die Arbeitszufriedenheit von uns allen steigern. Dies gelingt nur, wenn wir unsere Arbeitszeit erfassen, gemeinsam einen flächendeckenden Preisanstieg erreichen, eine gute interne Kommunikation pflegen und durch eine verbesserte Personalführung“, fasste Kersebohm ihre Meinung zusammen.

Gleichzeitig räumte sie zuvor jedoch ein, dass die neue Generation Y gar keine Lust hat, sich selbstständig zu machen. „Die möchte gerne geregelte Arbeitszeiten und ein Angestelltenverhältnis.“

Dies ließ sicherlich den ein oder anderen anwesenden niedergelassenen Tierarzt im Saal mit den Augen rollen, bekommt man doch unweigerlich suggeriert, mit der Entscheidung der Selbstständigkeit offenbar einiges falsch gemacht zu haben. Obgleich der Beruf Tierarzt zu den sogenannten freien Berufen zählt, was wiederum eine große Zahl von selbstständig Tätigen in der Berufsgruppe voraussetzt.

Niedergelassene Tierärzte: Gesetzesbrecher und Ausbeuter?

Dabei haben die Arbeitgeber die Arbeitsbedingungen für Assistenztierärzte bereits deutlich verbessert und der Situation auf dem Markt angepasst. Zumindest in der Pferdepraxis gingen die Arbeitgeber bereits seit Jahren auf sehr viele Forderungen ein, erklärte Dr. Kai Kreling, der sich erbost zeigte über die zum Teil sehr einseitige Darstellung der niedergelassenen Tierärzte als "Gesetzesbrecher und Ausbeuter" in der Diskussion. Außerdem verwies er darauf, dass es den Universitätsabsolventen häufig noch die praktische Erfahrung fehle, um betriebswirtschaftlich gewinnbringend zu arbeiten. In der ersten Zeit investiere der Arbeitgeber Zeit, Geld und Mühen in die praktische Ausbildung des Assistenten, doch häufig rechne sich dieses Invest nicht, da die jungen Leute nicht selten nach einer kurzen Lernphase die Praxis aus den unterschiedlichsten Gründen wieder verließen.Für Frau Kersebohm ein weiteres Argument, dass die Arbeitgeber ihre Arbeitsbedingungen für die angestellten Tierärzte deutlich verbessern müssten, um diese „halten zu können“.

Spätere Assistenten bereits während des Studiums abholen

Florian Diel, Präsident des BVVD, schlug den Praktikern vor, seine Mitarbeiter bereits während des Studiums im 8. Semester oder früher durch Praktikumsplätze abzuholen, diese auszubilden und schon frühzeitig zu binden. Außerdem wünschte er sich eine Veränderung der Zulassungsbedingungen für das Studium der Veterinärmedizin. Aktuell zählt fast ausschließlich die Abitursnote und nur wenig das gezeigte Interesse oder die Eignung für das Studium. „Es kann nicht sein, dass vor dem Studium geleistete Praktika gar nicht und berufsnahe Ausbildungen fast gar nicht in die Zulassungsbedingungen einfließen.“
Dies sei auch der Grund, warum es eine recht hohe Zahl an desillusionierten Studierenden in der Veterinärmedizin gebe, da sie sich vorher überhaupt nicht mit den Studienbedingungen sowie mit dem späteren Praxisalltag und Anforderungen beschäftigt haben.

Angemessene Löhne können nur durch eine leistungsgerechte Liquidation erreicht werden

Grundsätzlich war man sich jedoch in der Runde sowie im Publikum einig, dass die Grundvoraussetzungen für eine angemessene Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen eine angemessene Preisgestaltung sein muss. Dafür muss auch am gesellschaftlichen Ansehen der Tierärzte sowie am medialen Bild des Tierarztes in der Öffentlichkeit gearbeitet werden. Aktuell verkaufe sich der Tierarzt hinsichtlich seines gesellschaftlichen Ansehen und seines Könnens deutlich unter Wert.

Fazit

Ein spannendes und wichtiges Thema, das die Problematik ein wenig zu einseitig aufgegriffen hat und die Problematik der Arbeitgeber weitestgehend unberücksichtigt ließ. Es ist wichtig für beide Seiten, hier den Dialog zu suchen und für Verständnis zu werben, denn schließlich sind beide Seiten und nicht zuletzt auch unsere Patienten von einer Einigung und einer guten Zusammenarbeit abhängig.

Zudem sollte dringend über neue Arbeitszeitmodelle nachgedacht werden, um die vielen jungen Frauen trotz Familie für die langfristige Ausübung des tierärztlichen Berufes zu begeistern. Entsprechend müssen flexible Teilzeitstellen geschaffen und Lösungen für die Elternzeit diskutiert werden, damit der Bedarf an praktizierenden Tierärzten weiterhin gedeckt und die Zahl derer, die nach dem Studium berufsfremden Tätigkeiten nachgehen gesenkt werden kann.

Gleichzeitig sollten auch die geltenden Zulassungsbedingungen für das Veterinärmedizinische Studium überdacht werden, um möglicherweise künftig geeignetere Berufsanwärter auszubilden, als das aktuell der Fall zu sein scheint.


Links / Literatur

Bearbeitet von:
Dr. Julia Henning
Vetion - Team
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