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„Für die Familie bin ich hier geblieben“ vom 20.04.2017


Mutter dreier Kinder zu sein, ein Forschungsinstitut bei Hannover leiten, nach Wien zur Professur pendeln - und dabei den Schlaf nicht vernachlässigen, das sei nicht einfach, aber machbar, sagt Prof. Isabel Hennig-Pauka.


Prof. Isabel Hennig-Pauka kann die Berufsfelder (Schweine-)Praxis und Forschung gut vergleichen, da sie in beidem schon gearbeitet hat.

Als Professorin und Mutter dreier Kinder fühlt sich die 47-jährige Isabel Hennig-Pauka oft hin- und hergerissen. Wie sich beides dennoch vereinen lässt, erzählt sie im Interview mit der Veterinärmedizinstudentin Sophia Neukirchner.

Auf dem Seminar „Tierärzte in der Forschung“ (30.3 bis 2.4.17 in Hannover) sprach Prof. Dr. Isabel Hennig-Pauka zum Thema „Akademiker – eine kinderlose Gesellschaftsgruppe“. Sie ist Leiterin der Außenstelle für Epidemiologie der Tierärztlichen Hochschule Hannover in Bakum und auch Professorin an der Klinik für Schweine an der Vetmeduni in Wien. Außerdem hat die 47- Jährige drei Kinder im Alter von 11 bis 16 Jahren. Sie kann jedoch verstehen, warum junge Frauen nach dem Studium Bedenken haben, Kinder zu bekommen, etwa wegen der Mobilitätseinschränkung. Hennig-Pauka war der Familie wegen dankbar, dass sie Ihren Berufsweg hauptsächlich in Hannover bestreiten konnte, wäre ohne Kinder jedoch auch gern ins Ausland gegangen. Sie findet dennoch, dass gerade die Forschung Vorteile für Mütter bietet und gibt Tipps, wie Kinder bei der Bewerbung nicht zum Nachteil werden.

Vetion.de: Sind Akademiker eine kinderlose Gesellschaftsgruppe?
Prof. Hennig-Pauka: Die Statistiken, die ich gefunden habe, sagen aus, dass Akademikerinnen tatsächlich weniger Kinder haben. Aber insgesamt sind sie nicht kinderlos.

Was glauben Sie, sind die Gründe von Akademikern, sich gegen Kinder zu entscheiden?
Die Entscheidung für Kinder wird später getroffen. Ein Grund kann sein, dass es dann einfach nicht mehr klappt mit der Familienplanung, da kenne ich auch Beispiele. Man ist vorher so absorbiert von seinem wissenschaftlichen Projekt – was ja sehr faszinierend ist und auch Spaß macht –, dass man den richtigen Zeitpunkt einfach verpasst.
Hat man sich dann für Familie und Kinder entschieden, ist es oft schwierig, sich in dem Spagat zwischen Karriere und Familie zurecht zu finden. Von beiden Seiten, also sowohl von den Kindern als auch von den Kollegen, bekommt man zu hören: „Du bist ja nie da“. Und irgendwann fragt man sich: „Ja, aber wo bin ich denn eigentlich?“ Je nach Persönlichkeit kann das Gefühl aufkommen, dass man nichts ganz richtig macht. So ist es immer die Frage, wie kompromissbereit man ist; ob man in so einer Grauzone leben kann oder ob man es eben nicht kann.

Sie waren nach dem Studium als Praktikerin in der Schweinepraxis tätig und widmen sich nun ganz der Forschung und Lehre. Gibt es ein Berufsfeld für Tierärzte, das besonders kinderfeindlich ist?
Alles, was mit nicht planbaren Zeiten zu tun hat, ist nicht besonders kinderfreundlich. Letztendlich würde ich nicht sagen, dass ein Bereich besser oder schlechter zu organisieren ist mit Kindern. Was ich sehr praktisch finde, ist, wenn man sich die Zeit selbst einteilen kann – so  wie das bei mir und meinen Forschungsprojekten der Fall war. Auf der anderen Seite passiert  es auch, dass die Gesundheit unter der freien Zeiteinteilung leidet, weil man häufig die Nacht dazu nimmt und zwangsläufig sich selbst immer hintenanstellt. Man will ja der Familie gerecht werden, hat aber auch den Zeitdruck, Ergebnisse zu produzieren.

Ihre drei Kinder haben Sie bekommen, als Sie hauptsächlich in der Forschung tätig waren. Was war in diesem Tätigkeitsbereich vorteilhaft für die Familienplanung?
Die freie Zeiteinteilung  ist definitiv ein Vorteil – und die Tatsache, dass man viel schreiben muss. Denn schreiben kann man auch von zuhause. In manchen Phasen ist es ein Vorteil, dass andere Personen nicht abhängig von einem sind. So leidet keiner darunter, dass man nicht dauernd verfügbar ist oder nicht für Bereitschaftsdienste zur Verfügung steht – wie es in der Praxis der Fall wäre. Man ist oft überwiegend für sich selbst und seine Ergebnisse verantwortlich. 

War es bei Ihnen eine bewusste Entscheidung, an den jeweiligen Punkten in Ihrem Leben Kinder zu bekommen?
Die Entscheidung zum ersten Kind war ein zufälliger Einschnitt. Ich hatte einen Befund vom Arzt, der mich ins Nachdenken gebracht hat: Die Aussicht, gar keine Kinder bekommen zu können, war für mich nicht besonders positiv. Dadurch habe ich gemerkt, dass es mir doch wichtig ist, irgendwann Kinder zu bekommen. Das war mir vorher nicht so klar gewesen, da hatte ich immer nur weiter gearbeitet. Die Arbeit macht ja auch Spaß, man vermisst nicht unbedingt etwas. Irgendwann später will man vielleicht mal eine Familie gründen, aber das steht lange Zeit nicht so im Vordergrund.

Wenn man die Entscheidung bewusst treffen möchte: Wann ist der richtige Zeitpunkt? Im Studium, direkt nach dem Studium, nach der Doktorarbeit?
Ich glaube inzwischen, jeder Zeitpunkt ist so gut wie der andere. Wir haben früher im Studium oft auf die Kommilitonen mit Kindern geguckt und gedacht: Was tun die sich jetzt nur an? Heute würde ich sagen, es ist gar nicht schlecht, im Studium Kinder zu bekommen.

Was waren besonders schwierige Situationen als Mutter und aufstrebende Wissenschaftlerin?
Schwierig ist jetzt die Phase, wo die Kinder älter sind. In der frühen Phase war die Betreuung durch den Kindergarten sehr gut abgedeckt. Der Kindergarten lag auf dem Weg zur Arbeit, hatte gute Betreuungszeiten und (fast) alles ließ sich gut und problemlos organisieren. Aber jetzt werden die Kinder älter und es sind andere Fragen, die sie beschäftigen.  Und wenn man dann nicht zuhause ist… Mir fällt es manchmal schwer, dass ich einfach viele Situationen verpasse und ich mir dann hinterher überlege: Da ich hätte da sein sollen. Gerade wenn ich auf Dienstreisen ganz woanders bin und nicht schnell mal da sein kann.

Und wie war das für Ihre Kinder?
Die Kinder finden das überhaupt nicht gut, wenn die Mutter weg ist.

Ihr Mann und Ihre Kinder wohnen seit 2012 weiterhin in Hannover, während Sie nach Wien pendeln, wo Sie als Professorin an der Vetmeduni arbeiten. Wie wichtig die Mobilität in der Forschung ist, wurde auf dem Seminar ständig angesprochen. Waren Sie durch Ihre Kinder eingeschränkt in Ihrer Mobilität?
Ja, ohne Kinder wäre ich dauerhaft ins Ausland gegangen. So bin ich für die Familie hier geblieben.

Wie findet man Unterstützung?
Die Hauptunterstützung bekommt man durch den eigenen Partner. Wenn nicht beide an einem Strang ziehen, hat man schlechte Karten. Es geht nicht einfach darum, dass einer von beiden den Arbeitsplatz wechselt und der andere zurück steckt: Wenn beide berufstätig sind, betrifft das jeden Bereich des täglichen Lebens.

Was ist ihr Rat an junge Mütter: Sollte man bei der Bewerbung angeben, dass man Kinder hat? Und warum tun sich Arbeitgeber schwer, Mütter einzustellen?
Als Arbeitgeber hat man klare Zielvorgaben: man muss gute Leistungen bringen und das Institut voranbringen. Da sind es Hinderungsgründe, wenn Mitarbeiter nicht flexibel sind oder wenn sie wegen Schwangerschaft oder Kindern ausfallen.  Auf der anderen Seite darf man natürlich nicht nur nach solchen Gesichtspunkten entscheiden.  
Ich habe in Wien zum Beispiel eine Mitarbeiterin, die auch drei Kinder hat und die einfach großartig ist. Sie scheut keine Arbeit, ich kann immer auf sie zählen, sie ist flexibel und sie weiß genau: Wenn sie jetzt eine Woche durcharbeitet oder auf einem Betrieb ist oder ein gemeinsames Projekt irgendwie organisiert bekommt, dann hat sie anschließend auch freie Hand, sich ihre Zeit wiederzuholen. Das ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen.
Wenn man das bei einem Bewerber vorher wüsste, wäre das überhaupt kein Problem. Aber man weiß halt nie vorher, wie die Person tickt, wenn man sie einstellt.
Ich kann mir schon vorstellen, dass ein Arbeitgeber in der Entscheidung beeinflusst wird, wenn eine Bewerberin Kinder hat. Ich halte es aber für richtig, wenn man das angibt und dann offen kommuniziert, wie flexibel man ist, und dass man bereit ist, viel zu arbeiten, wenn man einen Vertrauensvorschuss bekommt und sich dann hinterher seine Zeit auch wieder frei einteilen kann, wenn man selber sie braucht. Ich glaube, das wäre der beste Weg.

Immer noch ist es so, dass es an der Basis der Tiermedizin sehr viele Frauen gibt, an der Spitze jedoch hauptsächlich Männer. Glauben Sie, dass es für Frauen mit Kindern schwieriger ist, ihren Karriereweg zu gestalten?
Ja, das glaube ich schon. Und das wird sich meiner Meinung nach auch nicht ändern. Das liegt an den Emotionen, in denen man als Frau gefangen ist: Dass man sich hin- und hergerissen fühlt zwischen Karriere und Nachwuchs. Der Tag hat einfach nur 24 Stunden und jemand, der keine Kinder hat, der schafft im Beruf einfach mehr.

Wie müsste sich denn zumindest die Forschungslandschaft ändern, damit sie kinderfreundlicher wird?
Wir brauchen mehr unbefristete Stellen. Ich verstehe schon alle Argumente, die dagegen sprechen. Aber wir müssen da einen Mittelweg finden, gerade für die guten Leute, die sich extrem einsetzen. Im Grunde ist am Wichtigsten für die hochmotivierten Kolleginnen, dass man den Vertrauensvorschuss bekommt, sich seine Zeit selber einteilen zu können, ohne ständig kontrolliert und überwacht zu werden. Es wird immer wichtiger, dass man ergebnisorientiert arbeitet und auch nur danach bewertet wird.


Links / Literatur

Bearbeitet von:
Sophia Neukirchner
Veterinärmedizinstudentin aus Leipzig
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