www.tierhalter-wissen.de

www.vets4vieh.de wird unterstützt von:

Praktikumsberichte

Schnupperpraktikum in Tostedt (09/2018)

Anfang September 2018 bekam ich Dank Vets4vieh.de die Möglichkeit, ein Schnupperpraktikum in der Gemeinschaftspraxis in Tostedt zu machen.
Mein bisheriger Kontakt mit Großtieren beschränkte sich bis dahin auf das landwirtschaftliche Praktikum der Uni, ein vierwöchiges Praktikum in einer Pferdepraxis und den Reitsport, den ich freizeitlich betreibe. Da mir aber durch das Studium gerade die Nutztiere sehr sympathisch geworden sind, freute ich mich riesig als ich die Zusage für das Praktikum erhielt.

Durch den Internetauftritt der Praxis bekam ich bereits im Vorfeld ein paar Informationen und war gleich sehr neugierig, was mich erwarten würde. Besonders gefiel mir die große Diversität an verschiedenen Patienten, vom Kleintier über Schweine und Rinder bis hin zu Pferden wurde alles behandelt und sogar etwas speziellere Tiere wie Alpakas waren dabei, daher war die Vorfreude von vornherein groß.

Ich reiste bereits am Sonntagabend für das Praktikum an und Dr. Ulrich, einer der beiden Praxisteilhaber, und seine Frau nahmen mich herzlich in Empfang.

Am nächsten Morgen ging es dann um sieben Uhr los, mit einer Vorbesprechung der Termine für den jeweiligen Tag, und ich lernte das Team der Praxis kennen. Wenig später fuhren wir dann zu unserem ersten Termin für diesen Tag, die Besamung einer Kuh. Obwohl das natürlich zum kleinen 1x1 im Nutztierbereich gehört, war es aufgrund meiner mangelnden Erfahrung spannend, nachher durch eine Rektalisierung die einzelnen organischen Strukturen erfühlen zu dürfen. Da es die Woche über natürlich noch häufiger vorkam, dass Kühe besamt wurden, bekam ich immer mehr Routine im Auffinden der einzelnen Reproduktionsorgane, was mich sehr gefreut hat.

Weiter ging es zu einer Stute mit einer Koppelverletzung, bei der wir eine Nachkontrolle gemacht  haben. Die Stute war eine Woche zuvor in ein Metalltor gesprungen und mit den Hinterbeinen hängen geblieben; sie hatte Glück gehabt, da es überwiegend oberflächliche Hautverletzungen waren und der Heilungsprozess sehr gut verlief.

Danach schauten wir uns noch einen jungen Mastbullen an, der unter hochgradiger Atemnot litt und dessen Zustand sich über das Wochenende massiv verschlechtert hatte. Es wurde eine Bronchopneumonie diagnostiziert und das Tier antibiotisch versorgt, trotzdem war die Prognose unsicher. Am nächsten Tag meldete sich der Bauer dann jedoch und berichtete, dass es dem Bullen bereits viel besser ginge.

Nach einer Mittagspause ging es dann am Nachmittag weiter. Zunächst gab es wieder ein paar Besamungen und dann besuchten wir ein Pferd, das einige kleine haarlose Stellen entwickelt hatte. Da bereits zwei Pferde des Stalles zuvor mit einem Pilz diagnostiziert worden waren, lag die Vermutung nah, dass auch dieses Pferd sich damit angesteckt haben könnte. Die bestätigte sich dann nach der Untersuchung auch, woraufhin wir das Pferd impften und eine Lösung zum Waschen sn an den Tierhalter abgegeben haben.

Nach einem Anruf ging es weiter zu einer Stute, bei der der Verdacht auf eine Trächtigkeit bestand, da die Besitzer beobachteten, dass die Stute deutlich an Gewicht zugenommen und auch Ausfluss gezeigt hätte. Nach einer rektalen und einer ultraschallgestützten Trächtigkeitsuntersuchung konnte der Verdacht aber nicht bestätigt werden. Sehr interessant für mich war hierbei zu sehen, wie unterschiedlich die Bedingungen in einer stationären und einer Fahrpraxis sein können. Bisher kannte ich das Rektalisieren von Pferden nur in einem entsprechenden Untersuchungsstand. Da einem im Normalfall in einer Reitanlage diese Möglichkeiten nicht zur Verfügung stehen, muss Mann/Frau kreativ werden und sich mit anderen Mitteln absichern.

Es gab dann noch eine Untersuchung einer ikterischen Katze, die ich zusammen mit der Assistenzärztin durchführen durfte.

Später am Abend wurden wir noch zu einer Kolikverdacht gerufen. Nach ausführlicher Untersuchung konnte der Verdacht bestätigt werden. Es handelte sich um eine Krampfkolik, die mit einem krampflösenden Mittel behandelt werden konnte.

Die nächsten Tage gingen mit einigen spannenden Fällen weiter, besonders in Erinnerung geblieben ist mir da zum Beispiel eine Eutanasie, die wir durchführen mussten. Bei dem Pferd wurde im Vorfeld Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert und nachdem es immer weiter abgebaut hat, entschieden sich die Besitzer, es zu erlösen. Auch wenn die Situation natürlich nicht schön war, war ich froh dabei sein zu können, da sowas natürlich auch in den Aufgabenbereich eines Tierarztes gehört.

Am Mittwochmorgen hatten wir dann noch eine Kastration bei einem Bullenkalb, bei der ich viel lernen konnte. Bisher hatte ich nur Erfahrung mit gedeckten Kastrationen bei Hengsten gemacht. Hier wurde nun eine unblutige Kastration durchgeführt. Zunächst wurde das Kalb dazu sediert und hingelegt, dann haben wir eine Lokalanästhesie am Samenstrang durchgeführt und anschließend mit einer Burdizzo Zange den Samenstrang gequetscht - was ich sogar selbst machen durfte! Anschließend haben wir den ganzen Bestand noch gegen Leberegel entwurmt.

Donnerstagmorgen ging es gleich in der Früh weiter mit einem Bestandsbesuch. Wie haben mehrere  Kühe mittels Ultraschall auf Trächtigkeit untersucht und bei anderen geschaut, wie die Gebärmutter sich nach der Geburt zurückgebildet hat. Ich war wirklich beeindruckt wie schnell das ging. Es hat mir auch nochmal bewusst gemacht, dass es hierfür eine Menge Erfahrung braucht. Es war aber sehr interessant zu sehen, da es zu den täglichen Aufgaben eines Tierarztes im Nutztierbereich gehört.

Desweiteren haben wir am selben Tag noch in einem Schweinebestand Blutproben genommen. Darauf hatte ich mich im Vorfeld sehr gefreut, weil ich bislang so gut wie gar keinen Kontakt zu Schweinen hatte. Ich fand es wirklich gar nicht so einfach, beim Schwein Blut abzunehmen, da man die Vene, in die man stechen soll, nicht sehen kann. Trotzdem fand ich es gut, auch in diesem Bereich reinschnuppern zu können, sodass ich am Ende einen guten Einblick in den Umgang und die Behandlung unterschiedlichster Tierarten bekommen habe.

FAZIT
Zusammenfassend kann ich sagen, dass es einer der schönsten Praktika war, die ich jemals machen durfte. Ein super nettes Team und ein tolles Arbeitsklima begeisterten mich von vornherein sehr.
Daher möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei Dr. Ulrich und seiner Frau bedanken für die Unterkunft und die nette Betreuung, und auch bei dem restlichen Praxisteam für die schöne Zeit. Gerne komme ich für ein weiteres Praktikum wieder.
Die Erwartungen an das Praktikum wurden vollkommen übertroffen, ich habe in der kurzen Zeit einen guten Einblick in die Arbeit in der Großtierpraxis bekommen. Ich habe viel praktisch arbeiten dürfen und besonders gut fand ich auch, dass Dr. Ulrich mir auch immer die theoretischen Hintergründe und verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten erklärt hat, sodass ich nun eine Vorstellung habe, wie man verschiedene Probleme angehen kann.
Desweiteren hat mir auch das Konzept der Fahrpraxis sehr zugesagt, so war man viel an der frischen Luft und hat gesehen, wie das Tier sich in seinem normalen Umfeld verhält, sodass man sich voll und ganz auf die Erkrankung konzentrieren konnte.
Durch das Praktikum ist mir wirklich noch einmal bewusst geworden wie sehr mir die Arbeit mit Großtieren gefällt und dass ich mir sehr gut vorstellen kann, als Tierarzt in diesem Bereich zu arbeiten. Ich werde definitiv in Zukunft mehr Praktika im Großtierbereich machen, um meine Erfahrung dort auszubauen.



zurück

Praktikant:

Nina Biermann

LMU München

Praxis:


Tierärztliche Gemeinschaftspraxis Tostedt
Dr. Stefanie Reinhardt & Dr. Bernhard Ulrich
Bahnhofstr. 35
21255 Tostedt
T: 04182-1241
www.tierarzt-tostedt.de

Pate:


Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH
Binger Str. 173
D-55216 Ingelheim am Rhein
Telefon: 06132 77 0

www.vetmedica.de