BMEL ruft Zentralen Krisenstab zur ASP-Bekämpfung ein
Seit dem ersten Auftreten der Afrikanischen Schweinepest (ASP) im Jahr 2020 wurde die Tierseuche in Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern, und zuletzt auch in Hessen und Rheinland-Pfalz nachgewiesen. Auch angesichts der ASP-Ausbrüche in hessischen Schweinehaltungen im Juli hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in der vergangenen Woche den "Zentralen Krisenstab Tierseuchen" als übergeordnetes politisches Entscheidungsgremium einberufen, um Erkenntnisse zu teilen und ein weiteres Vorgehen zu besprechen. Zudem sollen Maßnahmen von überregionaler und politischer Bedeutung beraten werden, um bei Bedarf ein bundeseinheitliches Vorgehen zu beschließen.
„Wir verfolgen die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest sehr genau. Hessen und Rheinland-Pfalz leisten hervorragende Arbeit bei der Eingrenzung des Seuchengeschehens, das hat auch die EUVET-Mission Anfang Juli bestätigt. Der Bund unterstützt die zuständigen Bundesländer gemeinsam mit dem Friedrich-Loeffler-Institut in gewohnter Manier beispielsweise bei den epidemiologischen Untersuchungen oder der Abstimmung der Maßnahmen und Sperrzonen-Gebietskulissen mit der EU. Die Ausbreitung aufzuhalten, ist eine Mammutaufgabe und wichtig für unsere schweinehaltenden Betriebe. Hier können auch die Bürgerinnen und Bürger Verantwortung übernehmen, indem sie achtsam sind. Im Zweifel reicht schon ein achtlos weggeworfenes Wurstbrot, denn das Virus kann auch über infizierte Lebensmittel eingeschleppt werden. Wir werden dazu auch eine Informationskampagne neu starten, um Menschen zu sensibilisieren – etwa an Autobahnraststätten gerade jetzt im sommerlichen Reiseverkehr", erklärt Staatssekretärin Silvia Bender.
Zur gleichen Zeit mahnen der Deutsche Bauernverband (DBV), der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) und der Deutsche Verband Tiernahrung (DVT) in einem gemeinsamen Schreiben ein einheitliches Vorgehen beim Tierseuchenmanagement an. Die Verbände fordern darin eine koordinierte Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren – einschließlich staatlicher Institutionen, Forschungseinrichtungen, Landwirten und Veterinärdiensten.
„In Krisensituationen, zu denen wir akute Ausbrüche von Tierseuchen zählen, ist es entscheidend, die Ressourcen auf die Bekämpfung und Tilgung der Seuche zu konzentrieren und nicht auf bürokratische Abläufe“, so die drei Agrarverbände. Neben regelmäßigen Fort- und Weiterbildungen sowie Krisenübungen des betroffenen Personals wird die Adressatin Dr. Katharina Kluge, zuständige neue Unterabteilungsleiterin im BMEL, gebeten, sich für eine engere Zusammenarbeit zwischen den Bundesländern und den zuständigen Behörden vor Ort einzusetzen.
Inflexion und TPP gehen Partnerschaft ein
Die 2018 gegründete Tierarztkette Tierarzt Plus Partner (TPP) hat mit dem Private-Equity-Unternehmen Inflexion einen neuen Partner gefunden. Durch diese Partnerschaft soll die Kette weiter ausgebaut werden. Inflexion will seine Branchenerfahrung nutzen, um mit dem Gründungsmanagement und den Gesellschaftern von TPP zusammenzuarbeiten und das Wachstum des Unternehmens zu beschleunigen. So sind in erster Linie weitere Investitionen in die Digitalisierung des Unternehmens, in die Ausbildung und in den Ausbau des Netzes von Tierarztpraxen in ganz Deutschland geplant, sowohl durch Akquisitionen als auch durch die Eröffnung neuer Standorte auf der grünen Wiese.
In den vergangenen sechs Jahren hat sich TPP mit annähernd 100 Tierarztpraxen zum inzwischen größten Tierarztnetz in Deutschland entwickelt. TPP arbeitet mit lokalen Tierärzt:innen zusammen, um führende Dienstleistungen im Bereich der Tiergesundheit anzubieten, und unterstützt sie mit umfassenden Schulungen, Best Practices der Branche und erheblichen Investitionen in Technologie.
„TPP ist die vierte Investition von Inflexion im Bereich Tiergesundheit und unterstützt ein bewährtes Team, das unsere Philosophie des nachhaltigen Wachstums in einer berufsorientierten Branche teilt. Wir freuen uns, unseren regionalen und sektoralen Ansatz zu kombinieren, um das erhebliche Wachstumspotenzial von TPP zu unterstützen“, erklärt Andrew Neville von Inflexion. „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Inflexion, um weiterhin in das Wachstum unseres Unternehmens und die Entwicklung unseres Netzwerks zu investieren. Unser Gründungs- und Führungsteam bleibt an Bord und wir bleiben unserer Mission treu, jeden Tag das beste Erlebnis für Tiere und Menschen zu schaffen“, ergänzt TPP-Mitbegründer und CEO Fabian Kröll.
Virtuelle Schweinebrille erstmals im Einsatz
Vor drei Jahren hat der niederländische Fleischhersteller Vion die „virtuelle“ Kuhbrille eingeführt, um Baumaßnahmen in Schlachthofställen zu optimieren und die Mitarbeitenden fortzubilden. Mittels der VR-Brille kann die Augenfunktionsweise von Tieren abgebildet werden. Im Frühjahr 2024 wurde der Prototyp der Schweinebrille getestet und nun in der vergangenen Woche erstmals In in Crailsheim, dem Kombischlachthof von Vion, eingesetzt.
„Die Wahrnehmung von Schweinen unterscheidet sich signifikant von der menschlichen und auch von der der Rinder. Schweine haben ein breiteres Sichtfeld, ihre Sehschärfe ist geringer als die des Menschen und sie reagieren empfindlicher auf Bewegungen“, erklärt Dr. Veronika Weber, Tierärztin und Director Quality Assurance & Operations Vion Germany, den Hintergrund zu den tierischen VR-Brillen. Auch sei die Höhe der Augen bei Schweinen ein signifikanter Unterschied zu Rindern, so Weber weiter. „Sie sind nur 30 cm über dem Fußboden. Das ergibt ein komplett anderes Sichtfeld als beim Mensch oder auch beim Rind.“
Dank der innovativen Software können die Benutzer:innen die Umgebung aus der Sicht der Schweine erleben. Das wiederum kann dabei helfen, das Tierwohl auf Schlachthöfen bei der Planung und Neugestaltung zu verbessern. „Der Effekt der VR-Brille war einfach unglaublich. Alle Teilnehmer meinten im Nachgang, jetzt ein viel besseres Verständnis für die Tiere und die Art, wie sie sich bewegen, zu haben. Ich konnte es nicht erwarten, jetzt endlich auch selber die Schweinebrille auszuprobieren und bin wirklich beeindruckt“, erklärt Dr. Veronika Weber.
BMEL warnt vor Ausbreitung des Japankäfers
Nach neuen Funden des Japankäfers (Popillia japonica) im schweizerischen Basel warnt das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) vor der Einschleppung des Fraßschädlings nach Deutschland. Im grenznahen Baden-Württemberg haben die Behörden die Maßnahmen intensiviert, damit eine Ausbreitung des Käfers früh unterbunden werden kann. Der ursprünglich aus Asien stammende Japankäfer befällt Blätter, Blüten und Früchte, während seine Larven die Wurzeln angreifen und dadurch die Pflanzen erheblich schädigen. Der Schädling zerfrisst so Weinreben, Rosen und Rasen. Im Extremfall führt ein Befall zum Absterben der Pflanzen. Seit seinem ersten Auftreten in Italien vor etwa 10 Jahren hat sich der kleine, goldgrün glänzende Käfer insbesondere in der Lombardei und seit 2020 auch im Tessin (Schweiz) ausgebreitet.
Das BMEL und sein Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, das Julius-Kühn-Institut (JKI), beobachten die Situation und kooperieren mit den zuständigen Stellen für Pflanzengesundheit in den Bundesländern sowie Partnerländern in der EU und der Schweiz. „Der Schutz unserer heimischen Natur und Landwirtschaft geht uns alle an – und die gute Nachricht ist: alle können dazu beitragen und Verdachtsfälle melden. Die Früherkennung ist das A und O bei der Bekämpfung von Pflanzenschädlingen wie dem Japankäfer. Noch haben wir eine Chance", erklärt Dr. Ophelia Nick, Parlamentarische Staatssekretärin beim BMEL.
„Der Japankäfer kann überall nach Deutschland eingeschleppt werden, etwa als 'Blinder Passagier' an Fahrzeugen oder mit Pflanzen und Pflanzenteilen wie einem Blumenstrauß. Hat sich der Schädling erst einmal etabliert, ist es sehr schwierig, ihn wieder loszuwerden. Erfahrungen aus Italien zeigen, dass sich das Insekt innerhalb der ersten Jahre seines Auftretens bis zu zehn Kilometer pro Jahr natürlich ausbreiten kann. Das gilt es zu verhindern. Als Bundesforschungsinstitut sind wir im engen Austausch mit den Länderbehörden vor Ort – und setzen auf die Unterstützung der Bevölkerung“, betont Dr. Bernhard C. Schäfer, Leiter des Fachinstituts für Fragen der Pflanzengesundheit am JKI.
Falls ein verdächtiger Käfer gefunden wird, sollte dieser eingefangen und in einem verschlossenen Röhrchen oder Gläschen gesichert der Behörde zur exakten Bestimmung übergeben werden. Zudem sind das Datum des Fundes sowie der genaue Fundort zu benennen.
Tierhaltungskennzeichnung wird unterschiedlich umgesetzt
Am 1. August 2023 ist das Gesetz für die staatliche, verpflichtende Tierhaltungskennzeichnung (TierHaltKennG) in Kraft getreten. Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Die Grünen) hatte das Gesetz vorgelegt, mit dem Ziel, mehr Transparenz und Klarheit in Bezug auf die Haltungsform von Nutztieren zu schaffen und so Verbraucher:innen eine bewusste Kaufentscheidung zu ermöglichen. Bislang haben die Bundesländer das Gesetz jedoch unterschiedlich umgesetzt.
Während Bayern noch dabei ist, ein elektronisches Portal für die Meldungen der Schweinehalter:innen zu entwickeln und die Meldefrist zunächst verlängert hat, hat Schleswig-Holstein am vergangenen Freitag (26. Juli 2024) das Meldeverfahren zur staatlichen Tierhaltungskennzeichnung noch kurz vor dem Fristende gestartet. Die Mitteilung ihres Haltungssystems können die Halter:innen über ein bereitgestelltes Formular per Post oder E-Mail an das Landwirtschaftsministerium in Kiel vornehmen.
Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium hatte bereits im Juni 2024 die Halter:innen von Mastschweinen im Alter von zehn Wochen bis zur Schlachtung aufgefordert, dem Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) als zuständige Behörde bis 1. August 2024 entsprechend Meldung zu geben, in welches Haltungssystem ihre Schweinehaltung einzuordnen ist. Ohne Meldung sei in Niedersachsen keine Vermarktung möglich, heißt es von behördlicher Seite.
Özdemir hatte die Vorreiterrolle Niedersachsens bei der Umsetzung des Kennzeichnungsgesetzes sehr begrüßt. „Gut, dass Niedersachsen vorangeht – und nichts anderes hätte ich auch von dem Bundesland mit der meisten Schweinehaltung erwartet. Damit können die Landwirtinnen und Landwirte dort nun ihre Meldungen vorbereiten und das schafft natürlich Planungssicherheit“, so der Minister.
Auch in Thüringen und Baden-Württemberg hat das Meldeverfahren zur gesetzlichen Tierhaltungskennzeichnung begonnen. „Baden-Württemberg setzt die Vorgaben [...] schlank und unbürokratisch um, sodass Landwirte so gering wie möglich belastet werden", erklärte Landwirtschaftsminister Peter Hauk. Nach seiner Meinung habe der Bund trotz der Bemühungen der Länder um eine Überarbeitung des TierHaltKennG an dessen unbefriedigender Ausgestaltung festgehalten. Insbesondere die enthaltenen Übergangsregelungen hätten dazu geführt, dass den Ländern zu wenig Zeit für eine gute und einheitliche Lösung bliebe beziehungsweise gegeben wurde.
Umfrage zur Optimierung von Biosicherheitskonzepten
Die Afrikanische Schweinepest (ASP) breitet sich aktuell in Deutschland aus. Zuletzt wurde die Tierseuche mehrfach bei Wild- und Hausschweinen in Hessen nachgewiesen. Auch die Nachweise des Geflügelpestvirus H5N1 bei Kühen, Katzen und Waschbären in den USA bereiten große Sorgen. Um die Wahrscheinlichkeit eines Tierseucheneintrags, der große wirtschaftliche Schäden verursacht, in den Bestand zu verringern, ist ein gut durchdachtes Biosicherheitskonzept elementar.
Wegen des dynamischen Ausbruchsgeschehens und um die Datenlage zu verbessern, führt die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) mit dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bis zum 30. September 2024 eine Umfrage zur Biosicherheit in deutschen Schweine- und Geflügelbeständen durch. Diese Befragung unter möglichst zahlreichen landwirtschaftlichen Betrieben hat das Ziel, die Biosicherheitsmaßnahmen zu optimieren und damit die Ausbreitung von Tierseuchen zu verhindern.
Das Verbundprojekt „Ökologische Tierhaltung als Beitrag zum Klimaschutz – im Fokus von Tierkrankheiten und Tierseuchen (ÖTiKliS)“ befasst sich intensiv mit der Entwicklung von Maßnahmen, die die Tiergesundheit sicherstellen und auch während einer Tierseuche eine optimale, ressourcenschonende Produktion in landwirtschaftlichen Betrieben ermöglichen. Die Daten, die in der Umfrage gesammelt werden, bilden die Grundlage für Entscheidungen bezüglich Haltungsformen und baulicher Maßnahmen für eine ökologische und Tierwohl fördernde Landwirtschaft. Ziel ist, daraus im Tierseuchenfall Strategien zu entwickeln, die die Anforderungen der ökologischen Tierhaltung mit den gesetzlichen Vorgaben vereinen.
Mit der regelmäßigen Überprüfung der Biosicherheitsmaßnahmen in den Betrieben befasst sich auch die 7-teilige Online-Fortbildungsreihe Biosicherheit in der tierärztlichen Bestandsbetreuung von Myvetlearn.de. Diese bietet Tierärzt:innen in allgemeinen und tierartspezifischen Kursen fundiertes Wissen zu den Hygiene- und Biosicherheitsmaßnahmen in Beständen verschiedener Tierarten (Rind, Schwein, Geflügel, Pferd). In Kurs 4 der Reihe geht es um Maßnahmen und Hinweise zur Biosicherheit für Schweinebestände, während sich Kurs 5 mit der Biosicherheit für Geflügelbestände befasst. Ein kostenfreies Impulsreferat zur Bedeutung der Maßnahmen dient als Einführung.
AniCura Career Days für Tiermedizinstudierende
Vom 9. bis 11. Oktober 2024 haben Studierende der Tiermedizin ab dem 5. Semester die Möglichkeit, bei den AniCura Career Days einen Einblick in verschiedene Standorte der Tierarztkette in Baden-Württemberg zu erhalten. An drei Tagen sind die Teilnehmenden zu Besichtigungen, Workshops und Networking eingeladen.
„Die Einstiegsmöglichkeiten und Karrierewege für Absolvent:innen des Tiermedizinstudiums sind vielfältig. Mit den AniCura Career Days 2024 laden wir Studierende der Tiermedizin zu verschiedenen AniCura Kleintierpraxen und Kliniken ein“, erklärt Maike Wörner, Head of People and Organization bei AniCura Deutschland.
So können die Studierenden schon weit vor ihrem Abschluss authentische Einblicke in die Arbeit der Tierärzt:innen in unterschiedlichen Standorten erhalten, so Wörner weiter. „Zudem erhalten sie zahlreiche Informationen zu Einstiegsmöglichkeiten und AniCura als Arbeitgeber.“ Bei Workshops zu Endoskopie und Ophthalmologie sowie Nahtkursen haben die Teilnehmenden dann auch die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten zu verbessern.
„Besonders wichtig ist uns neben dem fachlichen Input auch die Möglichkeit des Erfahrungsaustausches mit Tierärzt:innen mit unterschiedlichen Werdegängen“, erklärt Thomas Rieker, Head of Medical bei AniCura Deutschland. Eine Anmeldung für zwei verschiedene Routen ist bis 15. August 2024 möglich. Die Plätze sind auf 30 Teilnehmende insgesamt begrenzt.
Nachweis für Haltungsform von Eiern entwickelt
Mit einer innovativen Methode kann bestimmt werden, aus welcher Haltungsform ein Ei stammt. Ein Forscherteam am Deutsches Institut für Lebensmitteltechnik e. V. (DIL) in Quakenbrück hat diese Methode entwickelt, die mittels Kernspinresonanz-Spektroskopie (NMR-Spektroskopie) und einer Messegenauigkeit von nahezu 100 Prozent nachweist, ob ein Ei wirklich von ökologisch gehaltenen Legehennen stammt. Die tatsächliche Haltungsform lässt sich aus Eigelb-Proben ableiten, die mit einer Datenbank mit Referenzspektren abgeglichen werden.
Die Eigelb-Extrakt-Proben werden zunächst mittels 1H-NMR-Spektroskopie analysiert, wodurch Spektren erzeugt werden, die wiederum eine Art Fingerabdruck mit einem großen Informationsgehalt abbilden. Mit Hilfe von multivariaten Datenanalysen, maschinellem Lernen und Künstlicher Intelligenz (KI) haben die Forschenden für jede Haltungsform charakteristische Muster identifiziert und eine Datenbank sowie ein Authentizitäts-Modell aus diesen Referenzspektren erstellt, mit der die Muster abgeglichen werden können. In den Untersuchungen von rund 4.500 Eiproben konnten die Forschenden eine Genauigkeit von 99,9 Prozent erreichen. Zusätzlich kann die Rasse der Legehennen (Lohmann Selected Leghorn, Dekalb, Lohmann Brown, Sandys) mit einer Modellgenauigkeit von 98,4 Prozent ermittelt werden.
Damit sich das Verfahren etabliert, müssen die Modelle mit weiteren authentischen Proben ergänzt werden und aktuell bleiben. Denn nur, wenn zusätzliche, teils noch nicht bekannte Einflussfaktoren wie etwa weitere Rassen und Futtermittel berücksichtigt werden, bleiben die Modelle aussagekräftig. Das DIL ist derzeit noch auf der Suche nach Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Verbänden für die Unterstützung der Weiterentwicklung dieser zukunftsweisende Analytik.
Das vom Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) geförderte Projekt hat nach Meinung der Forschenden ein großes Potenzial für die Lebensmittelüberwachung, etwa im Verdachtsfall oder bei Stichprobenuntersuchungen für den Handel und den Verarbeitungsbereich. Unternehmen können entsprechende Analysen beauftragen und damit zuverlässig überprüfen, ob der Stempelcode auf der Eischale die Haltungsform der Legehennen korrekt angibt. Dies stärkt das Vertrauen in die Echtheit von Bio-Eiern und somit die Nachfrage der Verbraucherinnen und Verbraucher nach Bio-Eiern.
Weiterer ASP-Fall in Hessen
Erneut gab es einen positiven Nachweis der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Hessen. Erstmals ist auch der Landkreis Darmstadt-Dieburg in Südhessen betroffen, wie die Darmstadt-Dieburger Kreisverwaltung am Mittwochabend mitgeteilt hat. Ein totes Wildschwein war am Dienstagabend (30.07.2024) in Pfungstadt-Eschollbrücken gefunden worden. Eine endgültige Bestätigung des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) steht jedoch noch aus. Aktuell ist auch noch unklar, ob die bisherigen Sperrzonen ausgeweitet werden müssen. Nach dem ersten ASP-Nachweis in Hessen Mitte Juni 2024 hatte der Landkreis bereits umfassende Maßnahmen ergriffen, unter anderem wurden flächendeckende Drohnenflüge, Wildschweinbarrieren und Informationskampagnen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit durchgeführt. Dennoch kam es immer wieder zu Infektionen von Hausschweinebeständen.
Zahl der invasiven Arten in Europa steigt
Die Populationen der invasiven Arten in Deutschland und anderen europäischen Ländern nehmen weiter zu. Neben Nilgänsen, Asiatischen Hornissen und Ochsenfröschen bereiten unter anderem auch verschiedene Großkrebse Landwirten, Imkern und Naturschützern Sorgen. Invasive Tierarten gehören zu der Gruppe der Neozoen, von denen es in der Europäischen Union nach aktuellen Zählungen inzwischen 44 Arten gibt.
„Prävention ist bei invasiven Arten ganz wichtig“, erklärt Lisa Tippelt vom Landesamt für Umwelt (LfU) in Mainz. Wichtig sei besonders die Sensibilisierung der Bevölkerung und etwa der Imker:innen. So müsste die Bevölkerung mehr informiert werden, dass Nilgänse oder andere Neozoen wie Nutria keinesfalls gefüttert werden sollten. Der Handel, der Tausch und die Haltung invasiver Arten der EU-Liste sei verboten, so Tippelt. Solche Tiere sollten nicht ausgesetzt und auch kein Teichwasser in die Umwelt geschüttet werden, weil möglicherweise Eier enthalten seien. „Am besten können invasive Arten bekämpft werden, wenn es erst wenige Tiere gibt“, betont die Fachfrau.
Wie die rechtlichen Vorschriften sind, als Tierarzt mit solchen Fundtieren umzugehen, erfahren Sie in der Online-Fortbildung Rechtliche Grundlagen zum Umgang mit Wildtieren mit Anwendungsbeispielen (Jagdbares Wild, invasive Arten) auf Myvetlearn.de. Die Fortbildung ist mit 2 ATF-Stunden anerkannt.